Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813
Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im .Tahre 1813. 193 länglich begünstigt, um eben diese Epoche, die Ihnen Opfer ohne Zahl auferlegt, zu unserer Verstärkung benützen zu können; eine Verschiedenheit, die von unseren Völkern geführt wird, auf die sie am unmittelbarsten einwirkt und die folglich die Verantwortung der beiden Regierungen auf einer ganz anderen Wage messen werden .... Wir müssen trachten, herauszukommen aus diesem Kampf, ihn zu beendigen mit möglichst geringem Schaden für die Erhaltung unseres Scheinbesitzes von augenblicklicher Unabhängigkeit. Wir müssen durch alle Mittel, die in unserer Macht sind, uns die Möglichkeit bewahren, eines Tages jene wahrhafte Unabhängigkeit wieder zu gewinnen, die für die Staaten das ist, was die Gesundheit für den einzelnen Menschen; wir dürfen unsere Existenz nicht ausspielen auf einer einzigen Karte.“ Schliesslich erklärte er, dass er beabsichtige, in England und Frankreich eine allgemeine Pacification in Anregung zu bringen. ’) In einem Punct hat Metternich geirrt: dass er an die Festigkeit des russischen Kaisers nicht glaubte. Doch ist dies wohl der verzeihlichste Fehler, in den ein Staatsmann damals verfallen konnte. Auch ein grösserer, als Metternich, hat sich darin geirrt: Napoleon! Auch er war der Meinung, dass er vom Kreml aus den Frieden werde dictieren können und dieser Irrthum hat ihn veranlasst, in die trostlosen Steppen Russlands zu stürmen und fünf lange Wochen in Moskau zu verweilen; dieser verhängnissvolle Irrthum, den er später oft genug bereute, nicht aber das „nlanmässige“ Zurückweichen der russischen Armee hat ihm sein gewaltiges Heer und endlich seinen Thron gekostet. Das gerechtfertigte Misstrauen gegen die Ziele und Bestrebungen der russischen Politik war die Ursache, dass man sich in Oesterreich und Preussen gegen jeden Annäherungsversuch Russlands reserviert verhielt. Als der russische Staatsrath Iwan Ossipowitsch von Anstett dem Commandanten des österreichischen Hilfs-Corps FM. Fürsten Schwarzenberg den Antrag machte, seine Truppen gegen Napoleon zu wenden, antwortete der Fürst: „Ich ’) Beide Briefe im Haus-, Hof- und Staats-Archiv (Filiale). Abgedruckt in dem Werk „Oesterreich und Preussen im Befreiungskriege.“ Von Wilhelm Oncken. I. Urkunden-Anhang. S. 375—380. Mittheilungen des k. und k. Kriegs-Archivs. Nene Folge VIII. 13