Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851
Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditscb. 159 Truppen verlieh ihm ungleich mehr Festigkeit und Selbstvertrauen, so dass er allen Anfechtungen widerstand und endlich vollständig in die Arme Oesterreichs eilte. Wenn nun auch von keiner Eroberung mit Waffengewalt die Rede sein kann, so war dies doch eine solche durch den moralischen Einfluss für -politische Zwecke. Gleichsam als zweiter Act der Rolle, welche das 4. Corps auf der Bühne Deutschlands zu spielen berufen war, ist der Marsch desselben nach Nord-Bayern und die Unterstützung, welche es dort dem nach Kurhessen bestimmten Bundes-Corps des Fürsten Taxis gewährte, anzusehen. Auch hier war die Aufgabe eine mehr zuwartende, als Repli für das gedachte Bundes-Corps, wobei aber stets die Eventualität des grossen Krieges und das Intacthalten für jenen hohen Zweck im Auge behalten werden musste. So nahm es nur indirecte an jenem welthistorischen Momente Antheil, wo die Entscheidung zweimal in die Hände zweier sich gegenüberstehender Generale gelegt, oder wenn man genauer zusieht, von dem zeitgemässen Eintreffen der Befehle, von dem richtigen Functionieren der Telegraphen abhängig gemacht wurde. Es handelte sich in beiden Fällen darum, durch den Rückzug der preussischen Truppen aus Kurhessen vor der Welt den politischen Erfolg Oesterreichs zu constatieren. Durch die Nachgiebigkeit des Königs von Rreussen und seiner nächsten Berather, ward Oesterreich der Nothwendigkeit mit den Waffen einzuschreiten, enthoben; der König von Rreussen konnte sich persönlich ebensowenig als Gegner des Kaisers von Oesterreich sehen, als wie dieser jugendliche Monarch, trotz seines ausgesprochen hohen militärischen und ritterlichen Sinnes für seine Person sich als Widersacher des liebenswürdigen und geistvollen Preussen- königs denken konnte und so ward denn allenthalben die weisse Fahne geschwungen. Die specifisch preussische Partei, aus der Schule des „grossen Königs“ und ihre Anhänger in Deutschland, konnten sich absolut nicht über diese Thatsache, über das Zurückweichen Preussens trösten, ja noch in neuester Zeit finden sich in Geschichtswerken, wie z. B. in Biedermann’s „Dreissig Jahre deutscher Geschichte“ Worte, wie: „Bronzell und Olmütz waren mehr als ein Canossa,