Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851

160 Sacken. mehr als ein Jena“ (II. pag. 44). Aehniich spricht sich Georg Weber’s „Allgemeine Weltgeschichte“ (1889, erster Theil pag. 426) aus. Und doch sollte man meinen, dass Preussen und sein Volk nur in tiefem Danke der Mässigung, der Selbstüber­windung und der Weisheit König Friedrich Wilhelms IV. und seiner Rathgeber gedenken könne, welche einen Krieg zu ver­meiden vermochten, der, wie die Dinge lagen, nur mit der schwersten Niederlage hätte enden können. Wo wäre dann die heutige Grösse Preussens? Der Zug durch Deutschland von Süd nach Nord, mit dem 25.000 Mann starken, mit allen Extra-Corps, Reserve-Anstalten und Trains versehenen Corps, während der ungünstigsten Jahres­zeit, war eine ganz ansehnliche Marschleistung und Erprobung- guter Marschtechnik. Das Corps, oder Theile desselben, hatten nicht weniger als zwölf verschiedener Herren Länder zu durchziehen, u. zw. Bayern, Grossherzogthum Hessen, Kurhessen, Braunschweig, preussisches Gebiet, Hannover, Lauenburg, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg- Strelitz, Lübeck, Hamburg und Holstein. Ueberall musste die Zustimmung der Landesherren und Regierungen eingeholt und mit diesen die Unterkunft und Verpflegung geregelt werden. Die Ankunft der fremden Gäste rief in manchen Gegenden nicht geringe Aufregung, ja Besorgnisse hervor. W ar ja die oppositionelle Presse bemüht, die ungünstigsten Schilderungen über das Auftreten der österreichischen Truppen zu verbreiten und die abenteuerlichsten Gerüchte drangen oft hierüber in das Volk. Namentlich im Norden glaubte man, die kaiserlichen Soldaten glichen den Horden Trench’s, von welchen man erzählte, dass sie beim geringsten Widerspruch, oder bei ungenügender Ver­pflegung, aus Rache die kleinen Kinder lebendigen Leibes in’s Feuer zu werfen pflegten; man sprach von Panduren und Sere- schanern, welche die missliebig Gewordenen mit dem Handschar bedrohen u. dgl. m. Ueberall war man daher in erfreulicher Weise überrascht, die wohlgesitteten, streng disciplinierten, meist herzlich gutmüthigen „Oesterreicher“ in den kaiserlichen Truppen zu finden. Im Corps waren Truppenkörper von deutscher, ungarischer, böhmischer, polnischer, italienischer und mährischer Nationalität

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