Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851

Das österreichische Corps Sclnvarzenberg-Legeditsch. 133 Behörden, wie sie damals in Hamburg bestanden, war an eine gründliche Abhilfe dieses Uebelstandes nicht zu denken. Der Anlass hiezu kam zwar aus derselben Quelle, suchte sich aber andere Wege, nämlich die untersten Schichten der mensch­lichen Gesellschaft, den trunkenen Pöbel, die Hefe des Matrosen­thuines. Wir erwähnten der Vorstadt St. Pauli, der Verbindung zwischen Hamburg und Altona, sowie ihres üblen Rufes, nach­dem die glanze Häuserzeile gegen die Elbe und deren Neben- gässchen aus Gasthäusern, Vergnügungslocalen mindester Kate­gorie, häufig elenden Matrosen-Spelunken bestehend, berüchtigt war durch das wüste Treiben und die Streitigkeiten der minder- werthigen Schiffsleute, welche dort ihren auf den Seefahrten mühsam erworbenen Lohn vertranken und mit Dirnen vergeudeten. An Sonn- und Feiertagen steigerte sich dieses Treiben in hohem Masse und führte oft zu blutigen Excessen. Diesen Um­stand machten sich jene Elemente, welche in blinder Parteileideu- schaft gegen die österreichischen Soldaten auftraten, zu Nutzen. Von diesen letzteren konnte nämlich unmöglich der Anlass zu dem was sich am Pfingstfeiertage zutrug, gegeben worden sein, da ihnen der Besuch aller dieser Locale strengstens untersagt war. Bei den häufigen Visitationen durch Patrouillen kam der Fall nicht vor, dass österreichische Soldaten in solchen Localen betreten worden wären. Hingegen war es unvermeidlich, dass sich die Soldaten, wie Jedermann, in der Hauptstrasse St. Pauli’s, [der Hauptver­kehrslinie, frei bewegten. Uebrigens war zur Vorsicht angeordnet gewesen, dass sich die jüngere Mannschaft nur zu Zweien, stets ein kurz dienender mit einem älteren Kameraden, auf der Strasse zeigen durfte. Die aus dem nachstehenden Berichte zu entnehmenden That- sachen tragen deutlich das Gepräge eines wohl vorbereiteten und abgekarteten Attentates gegen österreichische Soldaten. FML. v. Lesreditsch sandte diesen Bericht am 9. Juni an o Se. Majestät den Kaiser, an die Vorgesetzten Militär-Behörden in Wien, sowie an die österreichischen Gesandten in Hamburg und in Berlin.

Next

/
Thumbnails
Contents