Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851

132 Sacken. Die ziemlich zahlreiche Menge von Personen, welche sich vor dem zur Abhaltung- der Versammlung- bestimmten Locale ein­fand, dasselbe aber geschlossen traf und von dem Verbote in Kenntniss gesetzt wurde, verlief sich ganz ruhig. Einige der Leiter wollten zwar am selben Abende noch die Versammlung auf der sogenannten Sternschanze, im Freien, ab­halten und der Polizeibehörde waren Anzeigen über einige beab- siehtigte Unfüge zugekommen. Von beiden Seiten wurden die er­forderlichen Vorkehrungen zur Hintanhaltung eines Scandales getroffen und dies dürfte hingereicht haben, die Betreffenden von jeder Demonstration abzuhalten. Die Journale sind auf Ermahnung der Behörde — und etwas eingeschüchtert — weit moderierter und beschäftigen sich weniger mit uns; selbst die „Reform“ hat in ihrer letzten Nummer einen zahmeren und vergleichsweise anständigeren Ton angenommen. Ihre Redacteure sind wegen gewisser Carricaturen zu nicht unbe­deutenden Geldstrafen verurtheilt worden. Im Allgemeinen herrscht unter der Masse der Bevölkerung keine Aufregung, was am deutlichsten aus deren durchaus nicht feindseligem Benehmen gegenüber den Soldaten zu ersehen ist; kleine Excesse wären sonst wohl unvermeidlich. Allerdings ist eine Partei, mit bekannten Demagogen an der Spitze, unablässig bemüht, Unzufriedenheit zu verbreiten und Un­ordnungen anzustiften; es steht aber zu hoffen, dass die grosse Mehrheit der Bürgerschaft, die nachtheiligen Folgen für Geschäft und Arbeit wohl voraussehend, alles aufbieten wird, um diese Pläne scheitern zu machen. Wenn nicht besondere Zwischenfälle eintreten, so dürfte die ganze Angelegenheit vielleicht eher günstige Folgen haben und wenigstens dem Senate einen nicht unwillkommenen Anlass bieten^ der Presse auf gesetzlichem Wege einige Schranken zu setzen.“ Unruhen in St. Pauli. Somit war diese leidige Angelegenheit wenigstens für einige Zeit beigelegt. Wenige Wochen später erhob die nur mühsam in die Schranken zurückgewiesene subversive Presse neuerdings ihr Haupt, denn bei einer so schwachen Regierung und so abhängigen

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