Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Neue Folge, 1893)
Major Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VIII. Bande)
■ !) K. A. 1792; VIII, 80, Seite 259. 2) Ranke 291. und wurden im Sinne der vorausgegangenen Conventionen gleich- massig unter die beiden Verbündeten vertheilt. ') Während die Alliierten in einer so leichten und mühelosen Weise in den Besitz der ersten auf der gewählten Operationslinie gelegenen feindlichen Festung gelangten, war Lafayette mit seiner Armee unbeweglich bei dem kaum drei Tagemärsche von Longwy entfernten Sedan stehen geblieben. Die Vorgänge in Paris hatten lähmend auf ihn eingewirkt. Nachdem er zu Beginn der Revolution so viel dazu beigetragen hatte, die Monarchie durch das constitutioneile Königthum zu ersetzen und nachdem er gar nichts gethan, um den bedrohten König vor der tiefsten Erniedrigung und persönlichen Gefahr zu schützen, strebte er jetzt an, für sich selbst eine gewisse Autorität gegenüber der Jacobiner-Regierung zu erlangen. Der Municipal- rath von Sedan schloss sich ihm an, ebenso das Departement der Ardennen und nun forderte Lafayette auch seine Truppen auf, an dem Eide, welchen sie der Constitution, dem Gesetz und dem Könige geleistet, festzuhalten. Er wollte aus dem Grenzgebiete, das er inne hatte, einen Krystallisationspunct für seine Bestrebungen schaffen * 2) und liess die Commissäre, welche von Paris nach Sedan geschickt worden waren, um die Armee für die neuen Verhältnisse zu gewinnen, verhaften. In Paris, wo die neuen Machthaber das Treiben dieses Generals schon seit einiger Zeit mit Misstrauen betrachteten, ward er jetzt directe des Verrathes beschuldigt und neue Commissäre wurden nach Sedan entsendet, um die Autorität der National-Versammlung wiederherzustellen. Auch wurden alle Mittel angewendet, um Generale und Truppen für das neue Regierungs-System zu gewinnen und zum grossen Theile blieben diese Bemühungen auch nicht ohne Erfolg. Als Lafayette mit seinem Stabe am 15. August auf der Ebene von Sedan erschien, um den Eid für die Constitution erneuern zu lassen, wurde er nicht mehr mit jener Freudigkeit bewillkommt, die ihm sonst immer entgegengebracht worden war und ein Theil der Truppen gab offen zu erkennen, dass ihre Sympathieen mehr der neuen Regierung in Paris, als ihrem bisherigen Commandanten zugewendet