Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Neue Folge, 1893)

Major Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VIII. Bande)

66 Hausenblas. Aus dieser Trennung der feindlichen Kräfte gedachte der Herzog von Braunschweig Nutzen zu ziehen und schrieb in diesem Sinne an Hohenlohe: „Soll also von Luxemburg von Seite der alliierten Armeen etwas mit Zuverlässigkeit unternommen werden, so wird zu versuchen sein, eine dieser feindlichen Armeen, die in starken Positionen stehen, zu beobachten, während man durch Bewegungen suchen wird, die andere aus ihrer Position herauszu­locken und sie anzugreifen. Hiezu scheint Ueberlegenkeit und ein genaues Einverständniss das einzige Mittel und ohne eine ent­scheidende Ueberlegenheit wird es vielen Bedenklichkeiten unter­worfen bleiben, die Bezug auf das Concert und die Befestigungen haben, so geschwind, wie zu wünschen steht, zu agieren.“ Diese wenigen Zeilen charakterisieren die Denkungsweise des Herzogs. Wohl erkannte er die Nothwendigkeit, die günstige Lage auszunützen und mochte hiezu auch möglich stark sein, doch nicht die dem Gegner aufzuzwingende Schlacht, sondern das Herausmanövrieren desselben aus seinen Positionen wird in den Vordergrund gerückt. Die Kraft, über welche der Herzog damals zu verfügen hatte, war jeder der beiden zunächst stehenden französischen Armeen doppelt überlegen und hätte er sich rasch gegen eine derselben gewendet, so war ein günstiger Erfolg kaum zu bezweifeln. Allerdings musste der Schlag, der naturgemäss grosse politische nnd militärische Vortheile im Gefolge haben konnte, ge­führt werden, noch bevor die Franzosen sich vereinigen und durch Heranziehen der vielen im Lande vorhandenen Neuformationen wenigstens numerisch verstärken konnten. Allein der Gedanke an die verschiedenen Festungen liess die Idee eines rücksichtslosen Vorgehens bei dem an eine langsame, methodische Kriegführung gewöhnten Herzog nicht aufkommen, obgleich die meisten festen Plätze fast gar keine Offensiv-Besatzungen hatten und Erfolge im freien Felde ihre Thore zum grössten Theile von selbst geöffnet hätten. Im preussischen Hauptquartiere kämpften überhaupt zwei Anschauungen mit einander. Der Herzog, dem der Krieg gegen die Revolution aussichtslos erschien, glaubte nicht an rasche Erfolge; er wollte höchstens bis zur Maas Vorgehen, dann aber die Festungen Thionville, Montmcdy, Sedan, Mczicres „zu Gegen-

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