Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Neue Folge, 1893)

Major Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VIII. Bande)

I ■ abgerückt sei. An eine Forcierung der Weissenburger Linien war nicht zu denken, da dies das Corps zu weit von seiner Be­stimmung: absreführt hätte. Ebenso wäre ein weiterer Aufenthalt vor Landau zwecklos gewesen, da nicht nur Custine eine grosse Thätigkeit in der Festung entwickelte, sondern auch die Preussen bereits bei Trier angelangt waren und der im Operationsplan vor­gesehene Marsch an die untere Saar nun keinen Aufschub mehr duldete, wenn man im Einklänge mit der Haupt-Armee gegen die Maas Vordringen wollte. Hohenlohe übertrug daher vor seinem Abmarsche an die Saar die Beobachtung Kellermann’s dem Feldmarschall-Lieutenant Erbach, welcher mit 5 Bataillonen und 6 Escadronen Q den Rhein bei Speyer schon am 4. August überschritten und bei Schwegenheim und Heiligen­stein Lager bezogen hatte. Feldmarscliall-Lieutenant Erbach schob seine Truppen am 8. August nach Lingenfeld vor und besetzte die Queichbrücke bei Germersheim mit 2 Compagnien Infanterie, 2 Geschützen und einer halben Escadron, welche Patrouillen gegen die Lauter entsendete. Condé marschierte am 8. August nach Speyer, um hier über den Rhein zu gehen und endlich in seinen ursprünglichen Bestim­mungsort, den Breisgau zu gelangen, während der Feldzeugmeister an demselben Tage um 8 Uhr Früh das Lager bei Essingen auf­hob und nach Neustadt rückte, wo seine Truppen gegen 2 Uhr Nachmittags eintrafen. Der „Versuch auf Landau“ hatte eine ganze Woche in Anspruch genommen und Hohenlohe von seiner eigentlichen Direction abgelenkt. Der Herzog von Braunschweig sah dem Eintreffen der Oesterreicher an der Saar bereits mit Ungeduld entgegen und forderte Hohenlohe wiederholt zur Beschleunigung seines Marsches auf. Hatte der Herzog dem Vorschläge Hohenlohe’s, sich zuerst gegen Kellermann zu wenden, auch zugestimmt,2) so hegte er dennoch wenig Hoffnung, dass dieser Stand halten werde; auch erachtete er die im Breisgau stehenden Truppen Esterházy’s und Condé’s, x) Ein Bataillon war in Speyer geblieben, das Slavonier Grenz-Bataillon traf später im Aufmarschraum ein, überschritt am 8. bei Speyer den Rhein und lagerte einstweilen bei Heiligenstein. 2) K. A. 1792; VII, 65. Braunschweig an Hohenlohe vom 17. Juli 1792.

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