Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. IV. Theil. Der nordöstliche Kriegsschauplatz in Galizien und der Bukowina - Feldzug 1812 in Russland

30 Feldzug 1812 Ljuboml. Wlodawa. Muchawiec. geschlagen. Die Russen zogen sich durch die Sümpfe des Pripjatj auf die Strasse nach Kowel zurück, um wieder die Gegend von Luck zu gewinnen. Die Oesterreicher verfolgten sie unter mehreren Gefechten über den Muchawiec, Pripjatj, die Wyzewka und Túrja, den Stochod und den Styr. Die russische Armee, welche aus der Moldau unter Admiral Tschitschagoff auf den grosssn Kriegsschau­platz berufen worden war, vereinigte sich Anfangs September am Styr mit den Truppen des Generals TormassofF, so dass diese hier jetzt über 70.000 Mann zählten. Häufige Recognoscirungen verschafften dem Fürsten Schwarzenberg genaue Kenntniss dieser Vorgänge er hielt in seiner Stellung am Stochod so lange aus, bis die doppelt überlegenen Russen zur Offensive übergingen. Da verhess er am 25. September den Stochod, zog sich über die Túrja und liess die Division Siegenthal zur Deckung des Rückzuges und zur Sicherung der Sumpfpassagen in Kowel zurück. Der Rückzug sollte über den Bug gehen, um Polen zu decken, Siegenthal aber beim Vor­dringen der Russen sich nordwärts über den Muchawiec ziehen. Von der grossen französischen Armee liefen indess glänzende Sieges­nachrichten, aber auch schon unsichere Kunden von fürchterlichen Verlusten, von Noth und Entbehrungen ein. Smolensk war gefallen, bei Borodino hatte Napoleon gesiegt und er stand bereits in dem zerstörten, eingeäscherten Moskau, dem äussersten Marksteine seines Glückes und seiner Grösse. Am 28. September erreichte das Auxiliär-Corps Ljuboml, wo es am 29. bereits zu einem Zusammenstosse mit den nach­eilenden Russen kam. Nach Einbruch der Nacht führte Fürst Schwarzenberg das Corps über Kusniszcze nach Wlodawa, wo es mit russischer Cavallerie nochmals ein Gefecht zu bestehen hatte. Hier wurde am 1. October Abends der Bug überschritten und am 4. Brest Litewski erreicht; Fürst Schwarzenberg aber setzte neuerdings über den Fluss, um FML. Siegenthal aufzunehmen. Dieser hatte am 29. September die Defiléen von Krasnaja Wolja bei Kowel und Ratno besetzt, doch scheint ihn die Vorrückung der Russen rechts völlig tournirt zu haben; die fortgesetzten Kosakenangriffe hielten ihn trotzdem in diesen Stellungen fest und beinahe Schritt für Schritt fechtend gelangte die Division am 4. October über den Muchawiec und bei Brest Litewski zur Vereinigung mit dem Corps. Nachdem Fürst Schwarzenberg den

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