Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. IV. Theil. Der nordöstliche Kriegsschauplatz in Galizien und der Bukowina - Feldzug 1809 im Herzogthume Warschau und in Galizien

im Herzogthume Warschau und in Galizien. 21 Thorner Brückenkopf. Sandomierz Zamosc. Seit dem Einrücken der Oesterreicher im Herzogthume Warschau hatte sich die polnische Regierung bemüht, das Landvolk unter die Waffen zu rufen. In Posen organisirte General Dom- browski dieses Aufgebot, dem er mit 3000 Mann regulärer Truppen den nöthigen inneren Halt zu verleihen suchte; in der Gegend von Kalisch sammelten sich gleichfalls Insurgenten. Erzherzog Ferdinand musste zur Sicherung seiner Verbindungen häufig Streif-Commanden gegen diese Schaaren in Thätigkeit setzen. Durch dieselben erschien sogar Krakau gefährdet und es wurden daher 10 mährische Land­wehr-Bataillone dahin geschoben. Um die Hauptverbindungslinie der getrennten gegnerischen Gruppen, die über Thorn ging, zu durch- schneiden, rückte Erzherzog Ferdinand am 10. Mai mit seinem Gros bis Gombin und entsandte eine Colonne unter GM. Mohr auf Thorn. Dieser griff den Thorner Brückenkopf am 15. Mai an und nahm ihn im Sturm. Die Wegnahme der dortigen Brücke trug indessen nicht die erwarteten Früchte, denn gegen alle Voraus­sicht lief die Nachricht ein, dass Russland an Oesterreich den Krieg erklärt habe und eine russische Armee im Marsche auf Lublin und Lemberg begriffen sei. Auch Poniatowski setzte, unbekümmert um die ernste Bedrohung seiner Verbindungen, die Operationen fort und Erzherzog Ferdinand musste sich entschliessen, nach Galizien zurückzukehren. Dabei wollte der Erzherzog das Errungene aber doch so lange als möglich festhalten. Er befahl daher General Mohr, den Thorner Brückenkopf schwach besetzen zu lassen, mit 5 Bataillonen Infanterie, einiger Cavallerie und Artillerie aber gegen Posen auf­zubrechen und sich auf General Dombrowski zu werfen. Zum Schutze von Sandomierz ward am 17. Mai der General Schauroth mit 5 Bataillonen und 13 Eseadronen aus dem Lager von Gombin über Novemiasto .entsendet; in der Folge sollte er von Sandomierz auf Lublin operiren und mit dem Gros des Erzherzogs in Ver­bindung treten, welcher vorläufig eine Stellung bei Warschau nahm und sodann die Weichsel bei Gura passiren wollte. Dies Alles änderte sich, als der Erzherzog die Nachricht erhielt, dass Sando- mierz am 18. und Zamosc am 20. Mai nach äusserst tapferem Widerstande den Polen in die Hände gefallen waren. Jetzt blieb Erzherzog Ferdinand nur der Rückzug nach Galizien übrig. Er liess in Warschau eine Besatzung von 9 Bataillonen und 14 Esca- dronen unter FML. Mondet; General Mohr wurde zurückgezogen

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