Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. IV. Theil. Der nordöstliche Kriegsschauplatz in Galizien und der Bukowina - Feldzug 1809 im Herzogthume Warschau und in Galizien

20 Feldzug 1809 Warschau. Grochow. Gura (Gora). bereit zeigte, die Stadt mittelst Capitulation an Erzherzog Ferdinand zu übergeben. Um die Sympathien des Landes zu gewinnen, wurden die mildesten Capitulations-Bedingungen gewährt. W arschau wurde am 22. April von den Oesterreichern besetzt, aber Praga und die Brücke blieb in den Händen der Polen und man kam überein, ein Feuer zwischen der Stadt und dem Brückenköpfe nicht zu eröffnen. Am 22. setzte GM. Mohr mit 5 Bataillonen und 4 Esca- dronen bei Gura auf das rechte Weichselufer über und rückte bis Grochow vor Praga. Er begann Uebergabs-Verhandlungen; da erschien am 25. Früh der polnische General Sokolnicki mit 6—8000 Mann vor Grochow und eine starke feindliche Colonne bei Okuniew. Obwohl General Mohr das Schlachtfeld bei Grochow tapfer behauptet hatte, musste er sich aus Besorgniss für seine Rückzugslinie nach Karczew zurückziehen und der Erzherzog be­fehligte ihn am 29. April auf das linke Ufer, da der Zustand der unvollendeten Brücke und der Befestigungen von Gura eine Trennung nicht räthlich erscheinen Hessen. Als am 3. Mai der Brückenkopf von Gura der Vollendung nahe war, stand der grösste Theil des Erzherzog Ferdinand’schen Corps bei Jeziorna im Lager, bereit, den 4. über die Weichsel zu gehen und den Feind anzugreifen. 5 Bataillone und 8 Escadronen waren in Warschau zurückgeblieben. Mittlerweile hatte sich der Fürst Poniatowski nach der Capitulation von Warschau hinter den Bug zurückgezogen und sich zu einem Angriffe auf West-Galizien entschlossen, um so den Erzherzog Ferdinand zur Räumung Warschaus zu zwingen. Zur Sicherung dieser Unternehmung war die Verhinderung des Ueberganges der Oesterreicher bei Gura nothwendig und am frühen Morgen des 3. Mai gelang es den Polen, nachdem der An­griff unerwartet eingeleitet worden war, nach erbittertem Kampfe und vier abgeschlagenen Stürmen den schwach besetzten und noch unvollendeten Brückenkopf zu nehmen. Als Gegenoperation und um die bisherigen Erfolge festhalten zu können, entschloss sich Erzherzog Ferdinand zu einer kräftigen Diversion nach links, um durch das Ueberschreiten der unteren Weichsel den General Ponia­towski zur Umkehr und zum Aufgeben seines Angriffes gegen West- Galizien zu veranlassen. In dieser Absicht brach der Erzherzog am 5. Mai von Piaseczno auf; er erreichte an diesem Tage mit dem Gros Zbikow, am 6. Mai Blonie und am 7. Sochaczew.

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