Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Neue Folge, 1892)

Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VII. Bande)

Der Feldzug in den Niederlanden 1792. 83 einigten sieh entschlossen gegen Lafayette. Der rechte Moment war versäumt. In den Tuilerien wurde Lafayette kalt empfangen, seine Anträge, welche auf eine gewaltsame Niederwerfung der Umsturz­partei abzielten, misstrauisch angehört, ohne Zustimmung zu finden. Der König war unentschlossen und die Königin that den Aus­spruch: „Es ist besser unterzugehen, als durch Lafayette gerettet zu werden.“ 1) Der General plante jetzt einen Handstreich auf eigene Faust mit seinen Anhängern, doch auch dieser kam nicht zu Stande, so dass er, nun wirklich in Gefahr, sich schleunigst zu seiner Armee zu retten suchte. Er reiste am 30. Juni Abends wieder von Paris ab. Die Jacobiner hatten gesiegt, sie waren die Herren Frankreichs. Das Königthum ging mit Riesenschritten seinem Ende entgegen. Unter solchen Verhältnissen musste die Aufmerksamkeit der Armee zwischen dem Feinde und den Vorgängen in Paris getheilt sein. Luckner, durch Briefe Lafayette’s, der vielleicht daran dachte, mit beiden Armeen nach Paris zu marscliiren, überredet, dass sein Rückzug gefährdet sei,2) verfiel in volle Unthätigkeit; er verlegte seine Armee in Lager und Cantonnements nächst Menin und liess nur eine Vorhut von ungefähr 6000 Mann bei Courtray,3) die I einige schwache und vergebliche Versuche machte, sich Harlebeke’s wieder zu bemächtigen, zu einem ernsten Zusammenstosse kam es jedoch nicht. Dagegen drangen die kaiserlichen Vortruppen wieder­holt und mit Erfolg gegen Courtray vor, die Franzosen stets in !) Lafayette, Mémoires, 111, 336. Lafayette's Verhalten im ganzen Laufe der Revolution, seine Doppelzüngigkeit und sein unwürdiges Haschen nach der Gunst der oppositionellen Parteien hatten, in der Seele der muthigen Tochter Maria Theresia’s ein unbesiegbares Misstrauen, eine tiefe Abneigung gegen den stets unverlässlichen Edelmann geweckt. Welches die inneren Beweg­gründe zu der jetzigen Handlungsweise Lafayette’s waren, lässt sich wohl nicht vollkommen überzeugend aussprechen, Thatsache jedoch ist, dass er schon im Mai 1792 einen geheimen Unterhändler nach Brüssel schickte, um wegen eines Waffenstillstandes zu verhandeln. Mit der Armee wollte er dann in die Nähe von Paris marschiren, um hier die Ereignisse nach seinem Willen zu lenken, ob zu Gunsten des Königs oder nicht, lässt sich schwer behaupten. (K. A. 1792; XIII, 80, S. 238.) Reuss an Kaunitz; dann Vivenot II, 58; Kaunitz an Mercy. 2) Fougart et Finot, I, 98. 3) K. A. 1792: VI, 124.

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