Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)
Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VI. Bande)
6 Hausenblas. jetzt die friedlichen und die strengen Mittel nicht hin, um die einmal erschütterte Autorität wieder in alter Kraft aufleben zu lassen. Es traten aber im Laufe der Bewegung ausserdem revolutionäre Erscheinungen in den Vordergrund, die nichts gemein hatten mit der Auflehnung gegen jene Gesetze, welche Kaiser Josef II. einzuführen versucht. Ueber die Vertlieidigung der alten Landesverfassung hinaus drängte sich der Repuhhkanismus der französischen Jacohiner zu mächtigem Einfluss heran und die Opposition in Belgien im Jahre 1792 war in ihrem Wesen eine ganz andere als jene des Jahres 1788. Es hätte langer friedlicher Weiterentwicklung, weiser Verwaltung und kluger Behandlung bedurft, um wieder gutzumachen, was eigene Fehler, wie nicht minder die Aufreizungen und heimliche Unterstützung der Unzufriedenheit durch England und Preussen an dem tüchtigen Volke verschuldet hatten und um endlich dem Weitergreifen jenes Demagogenthums einen kräftigen Damm entgegenzusetzen, welches jetzt von Paris seine Losung empfing und sich in zahlreichen Clubs und geheimen Gesellschaften über die Niederlande und Deutschland auszubreiten begann. Dieser dauernde Friede war nicht dem Kaiserhause, nicht den Völkern gegönnt. Die Grundsätze und Ideen der Revolution trugen nun die Früchte, die sie ihrer Natur nach tragen mussten. Ein Sturm hatte sich erhoben, der kein Land unberührt hess. Ludwig XVI., König von Frankreich, der Gatte der edlen Tochter Maria Theresias, Maria Antoinette, ein Fürst, gütig und mild wie Keiner vor ihm auf Frankreichs Thron, wie berufen, durch seine eigenen Tugenden die schweren Ausschreitungen gegen Recht und Sitte zu sühnen, die seine Vorgänger Ludwig XIV. und Ludwig XV. begangen, hatte 1789 dem heftigen Drängen einer planvoll geleiteten öffentlichen Meinung nachgebend, eine allgemeine Stände-Versammlung seines Reiches berufen. Aber zur ehrlichen Unterstützung des edlen Widens ihres Königs waren die meisten dieser Männer nicht gekommen. Mit dem bewussten Ziel, dem Königthum die Macht zu entreissen, der geheiligten Souveränität des legitimen Königs eine Souveränität des Volkes, oder richtiger, der revolutionären Partei entgegenzustellen, giengen die Abgeordneten, besonders jene des sogenannten „dritten Standes“ an ihr Werk. Schritt um Schritt ertrotzten sie neue