Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)
Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VI. Bande)
Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792. Vortheile, Schritt um Schritt zerstörten sie die Macht und das Ansehen des Königs. Ludwig XVI. war nicht der Mann, um im Nothfalle mit dem Degen die liechte der Krone zu vertheidigen, er wusste mit Heroismus zu dulden, aber für die einzige und sicherste Stütze, die er in so ernster Zeit sich sorgfältig zu bewahren so vielen Grund gehabt, das Heer, besass er keinen Sinn. Jedes Zugeständniss des Königs wurde nur zum Mittel neuer massloser Forderungen. Tumulte und politischer Mord machten sich in Paris breit und als die Demagogen einen förmlichen Heereszug des Pöbels organisirt hatten, um die königliche Familie zur Rückkehr von Versailles nach Paris zu zwingen, eine That, die von scheusslichen Ausschreitungen und feigen Mordthaten begleitet war, da war König Ludwig XVI. zur Machtlosigkeit herabgedrückt, ein Spielball in den Händen der herrschenden Partei der National-Versannnlung, des letzten Scheines seiner Freiheit, selbst seines Lebens nicht länger sicher. Zur Zeit, als die Revolution in Frankreich ihr Haupt erhob und an dem alten Königsthron, der neun Jahrhunderte hindurch festgehalten, so mächtig zu rütteln begann, waren die Staaten Europas von den verschiedensten politischen Gegensätzen erfüllt und konnten der Revolution gegenüber höchstens eine beobachtende Haltung annehmen. Oesterreich war im Bunde mit Russland in einen langwierigen Krieg mit der Türkei verwickelt. Dem Bündnisse der beiden Kaiserhöfe stand eine preussisch-englisch-hollän- dische Allianz mit der ausgesprochenen Absicht entgegen, die Pforte in ihrem Bestände zu erhalten. Zwischen Preussen und der Türkei bestand ausserdem noch ein besonderes Bündniss, welches der Pforte den Länderbesitz, so wie er vor dem Kriege mit Oesterreich war, garantirte. Schweden rüstete zum Kriege gegen Russland, während Spanien, Neapel und Sicilien durch innere Gährungen zu sehr beschäftigt waren, um sich, trotz der von Frankreich her drohenden Gefahr, auch noch nach auswärts in Verwicklungen einlassen zu können. Die Revolution fand so von Aussen dieselbe Schwäche, welche ihr im Innern begegnete und alle Dämme über- fluthend, wuchs mit ihrer Ausdehnung auch die Entartung.