Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. (Fortsetzung). Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

314 Der Krieg gegen die Türken 1788—1791. Vodu Turkuluj. Focsani. wurde zum Generalissimus derselben ernannt, Fürst Repnin erhielt die bisher von Rumjanzow befehligte Armee und das Commando der Division Derfelden wurde dem energischen General-Lieutenant Suwarow übertragen, mit welchem der Prinz Coburg bald in das innigste Einvernehmen trat. Coburg hatte Nachrichten erhalten, dass die Türken in der Walachei mehr als 20.000 Mann stehen hätten. Er verlangte dess- halb von Potemkin Unterstützung durch die Division Suwarow und blieb in seiner Stellung. Als diese Unterstützung — wider die gehegte Erwartung, zugesagt wurde, vereinigte der Prinz, um in eine bessere Verbindung mit Berlad zu treten, sein Corps am 16. Juli in der Gegend von Adschud und wandte sich direct an Suwarow, damit dieser seinen Marsch beschleunige. Am 28. Juli Nachts vereinigte sich Suwarow mit 10 Bataillonen, 9 Escadronen und 30 Geschützen bei Adschud mit den Kaiserlichen. Die Ver­bündeten, welche nun 23.000 Mann zählten, begannen am 30. Juli mit Tagesanbruch den Vormarsch gegen den hinter dem Putria- Flusse mit der Hauptmacht bei Focsani stehenden, 30.000 Mann starken Gegner. Nach einem glücklichen Gefechte bei Vodu Tur­kuluj am 31. Juli, in welchem 3000 recognoscirende Türken ver­trieben worden waren, gelang es, die Hauptmacht des Feindes am 1. August bei Focsani einzuholen und vollständig zu schlagen. Der Kampf endete mit der Erstürmung der hartnäckig vertheidigten Klöster Samuel und Dragoi Obideni. Der Verlust der Oesterreicher betrug kaum 100, jener des Feindes gegen 1100 Mann, 10 Kanonen und 16 Fahnen. Nach dem Siege bei Focsani kehrte Suwarow wieder nach Berlad zurück. Prinz Coburg liess sein Corps ein Lager beziehen und beab­sichtigte, den Sieg auszunützen und im Einvernehmen mit dem in Siebenbürgen stehenden Fürsten Hohenlohe in das Innere der Walachei vorzudringen. Mitte September rüsteten die Türken zu einer neuen Offen­sive und die vom Prinzen Coburg befürchtete Bedrohung der linken Flanke seines Corps und damit die Trennung derselben von den Russen stand zu besorgen. Streif Patrouillen, die gegen Braila vorgegangen waren, brachten die Nachricht, dass der Grossvezier Hassan mit zahlreichen Truppen im Marsche auf Focsani begriffen sei und gegen 18. September bei Martinesti eintreffen werde.

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