Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. (Fortsetzung). Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
242 Der erste Krieg Kaiser Karl VI. gegen die Türken 1716—1718. Der erste Krieg Kaiser Karl VI. gegen die Türken 1716—1718. Quellen: Theatrum europaeum. — Sehels, Kriegsgeschichte der Oesterreicher. — Hammer-Purgstall, Geschichte des osmanischen Reiches. — Histoire de la guerre de Hongrie, pendant les campagnes de 1716. 1717 et 1718. Vienne 1788. — Oesterreichische militärische Zeitschrift 1811—1812, I. Band. — Arneth, Prinz Eugen von Savoyen. — Acten des k. k. Kriegs-Archivs. Feldzug 1716. Die Erfolge der türkischen Waffen gegen die Venezianer auf der Halbinsel Morea konnten von Kaiser Karl VI. unmöglich mit Gleich- muth angesehen werden, da jede Vergrösserung des Ländergebietes der Pforte eine Bedrohung für Oesterreich involvirte. Aus diesem Grunde fand das Ansuchen des venezianischen Botschafters, Pietro Grimani, um Abschluss eines Schutz- und Trutzbündnisses am Kaiserhofe zu Wien günstige Aufnahme und schon am 13. April 1716 kam die Allianz zwischen Oesterreich und Venedig zur Unterzeichnung. Drei Wochen später empfahl der Kaiser dem Grossvezier nochmals die Erneuerung des Friedens von Karlovitz, trug aber, für den Fall einer ablehnenden Antwort, dem kaiserlichen Residenten Fleischmann auf, Constantinopel zu verlassen. Die Türkei, auf ihre bisher gegen Venedig erreichten Erfolge pochend, liess die Mahnung des Kaisers unbeantwortet und sammelte ein Heer von ungefähr 200.000 Mann, das gegen Belgrad gesendet werden sollte. In Oesterreich wurde eine Armee von ungefähr 65.000 Mann, davon ein Drittheil Reiterei, ausgerüstet und General- Lieutenant Prinz Eugen von Savoyen zum Ober-Commandanten derselben ernannt, während FM. Graf Pálffy den provisorischen Oberbefehl erhielt und die Armee bei Futak zu concentriren hatte. Am 9. Juli traf Prinz Eugen daselbst ein, wo am 15. die vereinigte Armee ein Lager bezog. Sie bestand aus 66 Bataillonen, 52 Grenadier-Compagnien und 165 Escadronen und zählte 41.500 Mann Infanterie und 22.700 Mann Cavallerie, zusammen also 64.200, ohne Einrechnung der 8000 Mann, welche die Besatzung von Peterwardein bildeten. Wenige Tage später beendeten auch die Türken die Versammlung ihrer Streitkräfte. Am 26. und 27. Juli überschritt die