Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)

Major Duncker: Militärische und politische Actenstücke zur Geschichte des ersten schlesischen Krieges 1741 (Schluss im VI. Band)

Zur Geschichte des ersten schlesischen Krieges. 247 FM. Graf Neipperg sagt in dem Berichte, in welchem er dessen Ankunft meldet und die über die erfolglose Reise erstattete Relation der Königin übersendet: „Er, General Graf v. Browne, vermeint zwar, dass der Anstand hierinfalls mehr bei Hannover, ich aber glaube, solcher sei bei beiden Höfen, und schiebe es pro forma nur einer auf den andern'11) und hatte damit wohl das Richtige getroffen. Breussischerseits kam diese farblose Vermittlungs-Politik nur gelegen, da sie Frankreich und Bayern Zeit verschaffte, kriegs­bereit zu werden. Das schliessliehe Resultat dieser Mediation förderte denn endlich auch ein Vertrags-Instrument zu Tage, wie die Welt kaum ein zweites gesehen: das Abkommen von Klein-Schnellen­dorf, das hauptsächlich britische Diplomatenkunst zu Stande ge­bracht, als würdiger Abschluss der englischen Vermittlung. Der Königin kostete es das letzte Bollwerk in Nieder- Schlesien: Neisse; es gab das Land, um dessen Erhaltung zehn Monate mit wachsendem Erfolge von den österreichischen Truppen gerungen worden, für ein Blatt Papier, und für Zusagen preis, deren wirkliche Erfüllung' von Anbeginn an unwahrscheinlich war. DIE LAGE IM AUGUST UND IN DER ERSTEN HÄLFTE DES SEP­TEMBER 1741. Die königlich ungarisch-böhmische Armee hatte ihre Vorwärts­bewegung am 1. August angetreten; am 3. berichtete FM. Graf Neipperg aus seinem Hauptquartier zu Rathmannsdorf an den Grossherzog, bei gleichzeitiger Einsendung neuer Nachrichten aus Breslau:2) ■) Graf Neipperg’s Bericht vom 11. August 1741. H. H. u. St. A. Friedens- Acten; Fase. 23. 2) Sie enthalten nichts von besonderer Wichtigkeit. Unter Anderem wird referirt, General Schmettau sei nach Berlin gereist, man meine, er würde zu einer Mission nach Russland verwendet werden, die unvermuthete Abreise desselben befremde die in Breslau anwesenden Gesandten. Der vom König Friedrich II. zum »grand maitre de Fartillerie« ernannte Schmettau ging nun wohl nicht nach Russland, wie man in Breslau voraussetzte, sondern war am 27. Juli insgeheim aus dem Lager von Strehlen nach München an den Kurfürsten von Bayern abgesendet worden, um dort wichtige

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