Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)
Major Duncker: Militärische und politische Actenstücke zur Geschichte des ersten schlesischen Krieges 1741 (Schluss im VI. Band)
„Sonst bin heut mit dem Allergnädigst mir an vertrauten Kriegs-Corps in zwei Märschen von Neisse hier angekommen, und gedenke morgen anmit weiter nach Karnitz fortzurücken. Der Feind soll, vermöge einlangender Nachrichten, noch in seinem bisherigen Lager bei Strehlen stehen, und ist nun zu gewärtigen, wie er sich weiters bezeigen werde. Das den Namen von Schmettau bisher geführte Regiment ist auf Allergnädigsten Befehl I. K. M., meiner Allergnädigsten Frau, nunmehr wirklich reducirt worden, worüber jetzt Allerhöchst gedachter K. M. meinen allerunterthänigsten Bericht erstattet, und E. k. H. gnädigst erlauben werden, dass mich hierorts darauf beziehen dürfe.1) Der zu Wien sonst subsistirende k. engländische Minister Mr. Robinson ist heut, laut der, von dem derzeit in Neisse com- mandirenden Botta’schen Obristlieutenaut Br. v. St. Andre2) jetzt gleich erhaltener Nachricht, zu erstgedachtem Neisse durchpassirt, und ohne sich aufzuhalten, weiter nach Breslau abgegangen. Er hat, wie gleichbesagter Obristlieutenant Br. v. St. Andre mich versichert, mit mir reden wollen, auf Vernehmen aber, dass mit Aufträge mit Bezug auf das Eintreten Bayerns in die militärische Action zu erfüllen. Nach der ihm mitgegebenen Instruction (Pol. Correspordenz, 1, pag. 286) bestand, ausser dem Wunsche des Königs, dass die Operationen bayerischer- seits bald begonnen würden, der Hauptgrund seiner Mission darin, >dass, da des Kurfürsten Durchlaucht im Begriffe stehe, gegen das Haus Oesterreich zu agiren und Dero Rechte auf solche Succession zu verfolgen, er alle nur ersinnliche Persuasiones brauchen soll, um des Kurfürsten Durchlaucht dahin zu disponieren, damit Dieselbe, statt Dero Operationes in Böhmen vorzunehmen, solche auf die österreichischen Lande richten, mit der Armee dahin und gerade auf Wien marschieren und daselbsten agiren, als wodurch der ganzen Sache in Kurzem und auf einmal ein Ende gemacht werden kann, des Kurfürsten Durchlaucht aber nicht nöthig haben dürften, ihre Forces dermassen zu theilen. als wie Dieselben genöthigt sein möchten, wann sie in Böhmen agirten und Dero Lande jeglicher Zeit gegen die Oesterreicher decken müssten«. An der Donau hatte inzwischen der Kurfürst von Bayern die Feindseligkeiten thatsächlich begonnen. Passau ward in der Nacht vom 30. zum 31. Juli 1741 durch ein bayrisches Truppen-Corps unter General Minuzzi überfallen und der Fürstbischof Cardinal Lamberg gezwungen, die Feste Oberhaus zu überliefern. (K.-A. Schlesien 1741; Fase. VIII, 10 u. ad 10.) ') Nicht in den Acten. 2) Statt des im Juni zum GFWM. beförderten Baron Roth. (K.-A.. Schlesien 1741; Fase. VI, 21.)