Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)

Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VI. Bande)

8 Hausenblas. Die Fürsten Europas konnten sich indessen der Erkenntnis der Gefahr doch nicht ganz verschliessen, welche für das monarchische IVincip und die bestehende Ordnung in der Herabwürdigung der Krone Frankreichs erwuchs und wenn auch die Bedeutung dieser Gefahr noch immer nicht im vollen Masse gewürdigt wurde, so betrachtete man doch den Zeitpunct als gekommen, um entschei­dendere Schritte gegen die Revolution zu unternehmen. „Die Ehre aller Souveräne und die Sicherheit aller Staaten ist com- promittirt“, schrieb Kaiser Leopold II. unter dem Eindrücke der missglückten Flucht Ludwig XVI. an die Kaiserin von Russland und an die Könige von Spanien, England, Preussen, Neapel und Sardinien, welche er in dringenden Worten aufforderte, sich mit ihm über jene Massregeln zu einigen, welche nöthig seien, „um die Freiheit und Ehre des allerchristlichsten Königs und seiner Familie zu retten und den gefährlichen Ausschreitungen der fran­zösischen Revolution eine Grenze zu setzen“. ’) Der Kaiser schlug eine gemeinschaftliche Declaration aller Mächte vor, durch welche er die Führer der Revolutionspartei „zur Einsicht zu bringen und von verzweifelten Schritten abzuhalten“ hoffte. 2) Eine gemeinsame, alle Staaten gegen das Treiben der Revolution zusammenfassende Politik war es also, welche Kaiser Leopold II. anstrebte. Darin aber bestand eben die Schwierigkeit, dass es un­möglich war, so rasch als es nöthig gewesen wäre, eine einheitliche Action zu Gunsten Ludwig XVI. in das Werk zu setzen. „Die Verschiedenheit der Absichten und Interessen aller Theilnehmer (an der vorgeschlagenen Declaration) lässt billig besorgen, dass es sehr schwer sein wird, die fremden Höfe unter sich und nebstbei die geflüchteten Prinzen, Royalisten, Aristokraten zu gemeinsamen Zwecken und Operationen zu vereinigen, ohne welche Vereinigung aber nichts Erspriessliches zu hoffen ist,“ schrieb Kaunitz, der erprobte Lenker der österreichischen Politik an den Grafen Ludwig- Cobenzl 3). Der vielerfahrene Staatsmann hatte nur zu sehr Recht. England, dessen Interesse es durchaus nicht war, Frankreich, seinen steten Rivalen zur See, wieder gesunden zu sehen, „wich einer directen Erklärung über die diesseits gemachten Anträge *) u. 2) Circular-Schreiben des Kaisers vom 6. Juli 1791. Vivenot l. 185. s) Kaunitz an Ludwig Cobenzl, Wien, '.'3. Juli 1791. Vivenot 1, 202.

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