Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)

Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VI. Bande)

Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792. 9 unter verschiedenen Vorwänden aus, gab aber den Höfen von Petersburg und Berlin seinen Entschluss nicht undeutlich zu er­kennen, sich in den französischen Angelegenheiten neutral zu ver­halten. Der Berliner Hof fand anfangs ein Bedenken bei einer gemeinschaftlichen Declaration und glaubte eine nähere Ueberein- kunft über tluitige Massnahmen bis zum gänzlichen Friedens­schluss (Oesterreichs) mit den Türken aussetzen zu sollen. Der Hof von Madrid verbarg die Hindernisse und Beschwerlichkeiten nicht, welche die Ungewissheit über die englische Gesinnung und die Bücksichten auf die Selbsterhaltung seinem aufrichtigen Eifer für die gute Sache in den Weg legen dürften. Sardinien verlangte selber Hilfe (von Oesterreich), um die Buhe im eigenen Lande aufrecht halten zu können,“ während Bussland lange mit einer bestimmten Antwort zögerte. ') So sab sich denn Kaiser Leopold mit seinen Bestrebungen zur Bekämpfung der Bevolution ver­einzelt und allein konnte Oesterreich sich damals in neue kriege­rische Verwicklungen nicht einlassen. Noch war der Friede mit der Pforte nicht abgeschlossen, noch bestand das gegen Oesterreich gerichtete preussisch-türkische Bündniss in Kraft, die Niederlande waren nach blutigen Kämpfen kaum erst unterworfen, in Ungarn gab es viele unzufriedene Elemente und gross waren die Opfer an Geld und Blut, welche der letzte Türkenkrieg gefordert, so dass Finanzen und Armee dringend der Ruhe bedurften. 2) Günstiger gestaltete sich die Lage der Monarchie, als am 4. August 1701 der Friede von Sistowa mit der Pforte zu Stande kam und Preussen bald darauf die gegenstandslos gewordene Allianz mit der Türkei aufhob. 3) Kaiser Leopold setzte nun seine im Interesse der ') Kaunitz an den Kurfürsten von Mainz, 11. November 1791 und an Ludwig Cobenzl. 12. November 1791. Vivenot 1, 266, 271. 2) Im November 1790 schilderte Kaunitz in einem Briefe an Ludwig Cobenzl die Lage der Monarchie, welche sich seither nicht wesentlich gebessert hatte, wie folgt: .,Es hängt das Heil der österreichischen Monarchie davon ab, dass ihr die zur Wiedererlangung und Befestigung des Besitzes der Niederlande, zur Sicherstellung des königlichen Ansehens in Ungarn, zur Herstellung ihrer Truppen und Finanzen ganz unentbehrliche Ruhe gegönnt und sie nicht den vereinigten Angriffen der Pforte, Preussens und der Seemächte, in dem Zeit- puncte, wo ihr die nöthigsten Widerstandsmittel gebrechen, preisgegeben werde.« 3) Bischoffwerder’s Erklärung. Wien, am 15. August 1791. Vivenot I, 225

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