Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie. III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegs-Schauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

um ihre Existenz kämpfen müssten, fand aber mit diesem Vorschläge kein Gehör. Indessen gingen die Kaiserlichen, ohne das Geschütz der Türken, welches von den Wällen des Lagers ein heftiges Feuer unterhielt, zu beachten, zum umfassenden Angriffe vor und nahmen mit den Batterien ihres rechten und linken Flügels die von den sich drängenden feindlichen Truppen bedeckte Schiffbrücke unter ein verheerendes Kreuzfeuer. Erst jetzt fiel eine türkische Rciterabtheilung auf einer längs des Flusses sich hinziehenden Sandbank aus und warf sich in die Flanke des noch im Aufmärsche begriffenen kaiserlichen linken Flügels. Dieser schlug den Angriff ab und drang mit den reti- rirenden Spahis gleichzeitig in das Lager ein, in welchem Starhem­berg sogleich den Zugang zur Brücke verlegte. In demselben Augenblicke überstieg die Infanterie und ein grosser Theil der kaiserlichen Reiterei, welcher freiwillig und zu Fusse mitstürmte, die Schanzen des Lagers und begann unter den zusammengepressten Feinden ein Gemetzel, wie bisher in den langen Türkenkriegen noch kein ähnliches vorgekommen war. Viele Türken versuchten sich durch die Theiss nach dem anderen Ufer zu retten, fanden aber in der Zahl von mehr als 10.000 den Tod in den Fluthen. Der Grosswesir, vier andere Wesire, der Janitscharen-Aga, drei Paschas von hohem Range, dreizehn Beglerbegs und eine grosse Anzahl von höheren Officieren lagen mit 20.000 Soldaten er­schlagen auf dem Schlachtfelde. Thököly verbarg sich unter einem Haufen von Leichen, wartete die Nacht ab und rettete sich in der Dunkelheit schwimmend über die Theiss. Mustapha II. hatte vom anderen Ufer aus die Vernichtung seiner Armee mitangesehen und entfloh dann Alles im Stiche lassend, mit einem Theile der Reiterei. Die Kaiserlichen hatten den grössten und vollständigsten Sieg, der bisher über die Türken errungen worden war, mit einem Ver­luste von nur 2100 Mann an Todten und Verwundeten erkauft. Im Lager wurden 7 Rossschweife, 423 Feldzeichen und das grosse Siegel des Grosswesirs erbeutet. Am nächsten Morgen führte der Prinz seine Truppen nach dem anderen Ufer der Theiss und nahm dort noch den ganzen türkischen Train, das vollständige Geschütz, 9000 beladene Wagen, dann viele tausend Pferde, Rinder und Kameele in Besitz.

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