Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie. III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegs-Schauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Es erschien nicht möglich, den grossen Sieg noch durch die Eroberung von Temesvár oder Belgrad auszunützen, da die Jahres­zeit zu weit vorgeschritten, die Armee nicht genügend ausgerüstet und an die rechtzeitige Sicherstellung von Proviant und Fourage gar nicht zu denken war. Auch hatte der Hofkriegsrath bereits den Befehl ertheilt, die Truppen in die Winterquartiere zu verlegen, um dadurch den abermals ausgebrochenen Unruhen in Ober-Ungarn ein definitives Ende zu bereiten. Der Abmarsch der Armee erfolgte daher in den letzten Tagen Septembers über Szegedin und Szabadka nach Szántóvá an der Donau. Von hier zog die Mehrzahl der Truppen nach ihren Winterquartieren, während der Prinz von Savoyen mit einem Corps von 4000 auserlesenen Reitern, 2500 Mann Infanterie, zwölf Geschützen und zwei Mörsern, dann den unter dem Commando des Obristen Kyba stehenden Grenztruppen gegen Bosnien aufbrach. General Rabutin, welcher sich bereits auf dem Rückmärsche nach Siebenbürgen befand, erhielt den Befehl, die Unternehmung gegen Bosnien durch eine Diversion gegen Pancsova zu unterstützen. Eine ähnliche Weisung erging an die croatischen National-Truppen, die einen Streifzug gegen Banjaluka zu unter­nehmen hatten. Das Expeditions-Corps gelangte am 7. October nach Esseg und am 10. nach Brod, wo die Reiterei, ohne sich aufzuhalten, über die Save setzte. Zur Flankendeckung des weiteren Vormarsches wurden 600 Grenzer und 100 Reiter in der Richtung gegen Banja­luka, ein anderes Detachement gegen Zwornik entsendet. Am 15. October gelangte das Corps nach Doboj und nahm sogleich von der Ortschaft Besitz, wodurch der Garnison des Schlosses das Trinkwasser entzogen wurde. Als die Besatzung trotzdem die Ueber- gabe verweigerte, liess der Prinz noch in der Nacht Batterien er­bauen und alle Vorkehrungen zu der Beschiessung des Castells treffen. Bevor mit dieser aber noch begonnen wurde, capitulirte die aus 85 Mann bestehende Besatzung am 16. October auf Gnade und Ungnade. Der folgende Tag führte die Kaiserlichen vor Maglaj, dessen Schloss der Prinz sofort angreifen liess. Die 200 Mann zählende Garnison liess es jedoch auf keinen Kampf ankommen und capitulirte gegen freien Abzug. Auf ausserordentlich schlechten Wegen marschirte das Corps am 18. nach Zepce, dessen Palanka der kaiserliche Oberbefehlshaber eine halbe Stunde Dotoj. Maglaj. Zepce.

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