Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie. III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegs-Schauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Feldzug- 1694. 155 die Belagerung von Peterwardein beginnen wollte. Der bejahrte und kränkelnde Caprara erreichte die bei Peterwardein lagernde Armee erst am 5. September. Er überzeugte sich von dem Zustande der Festung und des in der Nähe befindlichen verschanzten Lagers, welch’ letzteres er durch einige neue Fortificationen verstärken Hess. Am 11. September erschien die feindliche Infanterie vor dem Lager der Kaiserlichen, gegen welches sie sofort ein Geplänkel begann. Am nächsten Tage wurden die Verschanzungen vom Feinde vollständig umschlossen und der Armee jede Communi­cation, mit Ausnahme jener über die Donaubrücke benommen. Am 14. September demonstrirten die Türken mit einem Sturme gegen das kaiserliche Lager, begnügten sich aber damit, eine Pa­rallele aufzuwerfen, welche sie in unglaublich kurzer Zeit um das ganze Lager herumführten. Ein Ausfall, den die in ihren Werken förmlich Belagerten unternahmen, misslang, hatte einen Verlust von 200 Mann zur Folge und ermuthigte die Türken ihre Batterien, aus welchen sie ein heftiges Geschützfeuer gegen das Lager Caprara’s unterhielten, immer näher heranzuschieben. Die Kaiserlichen erwiderten das Feuer zwar auf das eifrigste, litten aber durch ihre gedrängte Lagerung, das ungewohnte Klima und die keineswegs genügende Verpflegung weit mehr als die Türken, welche mit ihrer überlegenen Czaikenflotte den Strom beherrschten und sich Proviant und Munition nachführen lassen konnten. Durch das Eintreffen der Brandenburger und des Corps des Generals Polland erhielt die kaiserliche Armee einen Stand von ungefähr 35.000 Mann, welche aber nicht mehr zu nennenswerther Verwendung gelangten, da die enge Umschliessung und besonders das eintretende Regenwetter jede Action verhinderten. Die Türken litten übrigens durch die Ungunst des Wetters und die einreissenden epidemischen Krankheiten in nicht geringerem Grade. Indessen hatte der ganz zwecklose Kampf um das verschanzte Lager bald ein Ende, da die Besatzung von Titel den Türken 20 Getreideschiffe wegnahm und die feindliche Armee dadurch in die äusserste Noth versetzte. Nach einer besonders heftigen aber ziemlich resultatlosen Beschiessung des kaiserlichen Lagers am Abende des 30. September brach ein Theil der feindlichen Armee in der folgenden Nacht gegen Karlovic auf. Der Rest des türkischen Heeres folgte am 1. October dorthin nach.

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