Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie. III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegs-Schauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

156 Ber zweite Krieg Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1683—1699. Gyula. Titel. Caprara hegte anfänglich die Absicht, mit seiner Armee zur Verfolgung aufzubrechen, gab aber dieses Vorhaben bald wieder auf, da die Truppen durch die lange Einscbliessung ganz unver- hältnissmässig gelitten und die noch immer andauernden Regen­güsse die Wege grundlos gemacht hatten. Die Kaiserlichen gingen desshalb über die Donau zurück und lagerten ungefähr eine Weg­stunde nördlich von Peterwardein. Caprara verhess hier die Armee und übergab deren Commando an den General Heissler, der die Truppen bald in die Winterquartiere verlegte. Der Grosswesir wollte vor der Auflösung seiner Armee noch Temesvár und Gyula mit Proviant und Munition versehen und schob, um solches zu be­werkstelligen, am 12. October ein Corps über die Donau vor. Veterani, der, Siebenbürgen behütend, an der Maros stand, erhielt den Befehl, seine Wachsamkeit zu verdoppeln und GFWM. Grons- feld wurde mit Truppen abgesendet, um das Blokadecorps vor Gyula zu verstärken. Die Approvisionirung von Gyula wurde hiedurch verhindert und auch der Versuch des Pascha von Temes­vár diesen Platz zu entsetzen, scheiterte an der Umsicht der Kaiserlichen. Da die Besatzung von Gyula bald den äussersten Mangel zu erdulden hatte, begann sie mit dem GFWM. Houchim Unterhandlungen, welche am 21. December zur Capitulation gegen freien Abzug führten. Der Kaiser ratificirte das abgeschlossene Uebereinkommen und hess Gyula am 12. Januar des folgenden Jahres durch seine Truppen besetzen. Ein dritter Angriff der Türken auf Titel im November endete gleichfalls unglücklich für sie. Während in Croatien und Slavonien gar keine Ereignisse vorfielen, welche auf Bedeutung Anspruch erheben konnten, ent­falteten die Venetianer in Dalmatien und Albanien eine grössere Rührigkeit als in den letzten Kriegsjahren. Delfino fasste den Ent­schluss, den Türken Citluk an der Narenta zu entreissen und brach mit 8000 Mann Fussvolk und 4000 Reitern dahin auf. Nach einer lebhaften Beschiessung erzwang er am 20. Juni die Ueber- gabe dieses Platzes, welcher bald die Einnahme von Ga bel a folgte. Um Citluk, das als die Pforte der Hercegowina angesehen werden konnte, zurück zu erobern, erschienen die Paschas von Bosnien, Albanien und der Hercegowina schon am 24. Juli vor dem in der Zwischenzeit nach Möglichkeit verstärkten Platze. Im i

Next

/
Thumbnails
Contents