Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte

wurden auch besondere Truppenkörper verwendet, die, etwaigen besonderen kriegerischen Fertigkeiten der Bevölkerung eines Landes entsprechend, mit der heimischen Waffe versehen wurden, Bogen­schützen, Schleuderer u. dgl. m. Aus der Schilderung des Livius entnimmt man, dass nur den Manipeln des ersten Treffens je 20 Leichtbewaffnete beigegeben waren, während das Gros derselben immer noch hinter der Schlachtordnung stand. Die Intervalle zwischen den einzelnen Manipeln der Hastati waren genügend gross, dass 20 Leichtbewaffnete ohne Mühe ausschwärmen und sich wieder zurückziehen konnten, während die übrigen Plänkler, wie zur Zeit der Phalanx, links und rechts um die Flügel der Schwerbewaff­neten herum, hervorbrachen. Die Reiterei der Legion, meist an den Flügeln aufgestellt und auch als Alae (Flügel) bezeichnet, formirte in der Regel Unter­abtheilungen von 30 Reitern, turmae (Züge), deren jede wieder in drei Decurien zu 10 Mann (Patrullen) sich gliederte. Beim Vormarsch bildete in der Regel die Reiterei die Spitze, obwohl auch gelegentlich eine andere Eintheilung platzgriff. Die römische Cavallerie war als Legions-Reiterei beiläufig auf die Rolle heutiger Divisions-Cavallerie angewiesen, selbstständige grössere Reiter-Corps gab es erst, als Rom ganze Reitervölker unterworfen hatte, welche nun eine selbstständige Cavallerie zu bieten vermochten. Was die Leistungsfähigkeit betrifft, so sprechen verschiedene Beispiele von grosser Tüchtigkeit, obschon die Römer wenig Werth auf die Cavallerie überhaupt legten. In der Regel marschirten die Truppen in mehreren Colonnen und, wothunlich, auf verschiedenen Wegen zum gemeinsamen Ziele. Wenn man nicht sicher vor feindlichen Ueberfällen war, so wurde in Gestalt eines Viereckes (agmen quadratum), mit dem Gepäcke in der Mitte, marschirt. Normale Marschbreite war 15 Mann. Auf dem Marsche trug jeder römische Soldat ausser seinen Angriffswaffen (tela), als Schutzwaffen (arma) den Helm, einen ledernen Panzer, zu Zeiten Beinschienen an dem vom Schilde nicht gedeckten rechten Fuss, den länglich runden Schild, ferner seine Lebensmittel 53

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