Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte

294 K u 1 n i g g. auf 15 Tage und verschiedene Gerätschaften, als: eine Kette (catena), Säge (sera), Hacke (rutrum), Sense (falx) und einen ledernen Riemen (lorum), einen Topf und einen Korb nebst einer Pallisade zum Verschanzen des Lagers am Abend. Mit diesem, jedenfalls nicht geringen Gepäcke (sarcina) marschirten die römischen Truppen gewöhnlich 20—24 römische Meilen, also beiläufig 30—35 Kilo­meter des Tages. Wenn beachtet wird, dass nicht nur die römischen Militär Strassen, trotz aller angewendeten Sorgfalt, mit modernen Heer­strassen in keinen Vergleich zu setzen sind, sondern die Märsche der römischen Legionen auch weithin in unwegsames wildes Land gingen, so müssen ihre enormen Marschleistungen umso höher ange­schlagen werden. Die Lagerung geschah nach feststehendem Schema, das ein­gehalten wurde, ob es sich um das Lager einer Nacht oder um den Bau eines permanenten Standlagers handelte. Das im Grundriss viereckige und mit einer Seitenlange von etwa 2000 Schritten aus­gemessene Lager wurde stets verschanzt. Durch den Wall führte auf allen vier Seiten je ein Thor in den von den zahlreichen Gassen, welche die Truppen und Stäbe schieden, durchkreuzten Innenraum. Die Verschanzung bestand aus Graben und pallisadirtem Wall, hinter dem ein 60 Meter breiter, freier Raum die Ver- theidigungsfront von den Lagerstellen schied. Das Thor in der Front trug die Bezeichnung porta Praetoria (Commandanten-Thor), das Thor rückwärts die porta decumana (das Mannschafts-Thor), die Thore rechts und links von der Front gerechnet die porta principalis dextra und sinistra, rechtes und linkes Haupt-Thor. In der Mitte des Lagerraumes wurde das Praetorium, der Lagerplatz des Commandanten, abgesteckt, zu dessen beiden Seiten der Quästor (Intendant) und die Legaten sich einrichteten. Hinter dieser Mittelgruppe war die Lagerreihe der höheren Officiere mit ihrem Gepäcke und ihren Pferden, in der Front des Lagers zwischen dem Praetorium und der porta Praetoria lagerten die Truppen der Hülfsvölker, hinter dem Praetorium, zwischen diesem und der porta decumana, die römische Legion selbst. 54

Next

/
Thumbnails
Contents