Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte

280 K u 1 n i g g. Der illyrische Besitz, soweit er an Pannonien grenzte, welches so lange Zeit das Centrum der politischen und militärischen Unter­nehmungen bildete, gewann eine bedeutsame Rolle für die römische Macht. Wie ehedem die Rhein-Armee die führende und tonangebende war, so erlangten durch die Eroberungen an der Donau nun die Truppen auf diesem Kriegsschauplatz das Primat. Die Rheinlager hatten zur Zeit der dacischen Kriege nur vier, die Donau-Armee zehn castra, Legionslager, später sogar zwölf. Ebenso war seit Kaiser Hadrianus (117 —138 n. Chr.) das italische Element aus der Armee, im Ganzen genommen, geschwunden; die Legionen ergänzten sich, wo sie eben standen. In Folge dessen waren auch die niederen Officiere und die Unterabtheilungs-Commandanten, die Centuriones, Soldaten, welche in Pannonien, Dacien, Mösien etc. zu Hause waren. In den höheren Commandostellen griff dieses Primat des illyrisch-panno- nischen Elements weniger durch, so lange die militärischen Würden auch zugleich mit dem politischen Amte zusammenfielen, doch blieb die ritterliche Laufbahn auch dem niedersten Soldaten durch das Zwischenglied des Centurionats zu allen Zeiten zugänglich. Auf diesem Wege drangen mehrfach hervorragende Illyriker auch in hohe Stellungen schon frühe ein; wie denn im Jahre 235 n. Chr. Maximus, ein geborener Thraker und 248 n. Chr. Tra- janus Decius, ein Sohn Pannoniens, den Kaiserthron bestiegen. Als Kaiser Gallienus aus Misstrauen die Rangclasse der Senatoren von dem Officiersdienste ausschloss, erlangten die nationalen Ele­mente des Heeres sogar noch grössere Bedeutung. Die Officiere, wenn sie aus den illyrischen Gegenden stammten, spielten selbst­verständlich auch im illyrischen Truppenkörper die erste Rolle und da in selber Zeit die Armee fast ausschliesslich die Kaiser ausrief und machte, so kam es, dass in kurzer Reihenfolge Illyriker zur Regierung gelangten. So folgen auf Gallienus der Dardaner Claudius H. 268 n. Ch.r, Aurelianus aus Mösien 270—-275 n. Chr., Probus aus Pannonien 276 n. Chr., Diocletianus aus Dalmatien 284—305 n. Chr., Maximianus aus Pannonien 286 n. Chr. etc. Diese illyrische Regeneration des römischen Kaiserthums war aber dennoch keine nationale, sondern lediglich eine soldatische Action, eine Kundgebung des Vertrauens, welches das Heer einem 40

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