Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte

41 durch gemeinsame Abstammung und gemeinsamen Dienst ihm nahestehenden Officier gewährte, indem es ihn zum Herrscher des durch das Missregiment herabgekommenen Reiches machte. Die Demilitarisirung Italiens wurde dadurch vollständig und damit verlor dieses sein Herrscherrecht, das Volk und Geschichte nicht anerkennen ohne kriegerische Kraft. Das römische Leben erhielt sich lange, bis es nach und nach durch slavische Einwanderung zerstört und verdrängt wurde, nach­dem die Gothen, nach dem Sturze des abendländischen Reiches auch Pannonien und Dalmatien beherrschend, in der Mitte des sechsten Jahrhunderts gegen Byzanz und die Avarén die ersten Slavenstämme in das Land gerufen. Nur einige Städte des Küstengebietes des heutigen Dalmatien bewahrten römischen Charakter und gingen später mit Rom in italienisches Wesen über. Im Uebrigen aber verschwanden die Re­sultate hundertjährigen Fleisses und Strebens, Strassen und Städte der Römer, der Verwilderung Raum gebend, welche blühende Culturgebiete wie mit ewiger Nacht bedeckte. Die römischen Strassen. Italien war bereits zur Zeit der Republik von Heerstrassen durchzogen, doch liess erst Augustus auch ausserhalb Italiens, in den Provinzen seines ungeheuren Reiches, Strassen in grosser An­zahl anlegen. In Gallien geschah dieses besonders unter der Leitung seines Feldherrn Marcus Vipsanius Agrippa, der zum obersten Aufseher der Strassen und Wasserbauten des ganzen Reiches ernannt worden war. Unter den Kaisern nach Augustus haben sich besonders Vespasianus (69—79), Trajanus (98—117), Hadrianus (117—138), Antoninus Pius (138—161), Marcus Aurelius (161—180), Septimius Severus (193—211) und Constantius (305) durch Anlegung neuer und Ausbesserung schon vorhandener Strassen grosse Verdienste erworben. Die Ueberreste römischer Militär-Strassen, welche sich in den verschiedenen Ländern noch vorfinden, sind sowohl durch ihre Anlage und Zahl wie Bauart auch technisch in hohem Grade be- merkenswerth.

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