Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte

276 K u 1 n i g g. Apollonia und Dyrrliachium. Hier wurde in Kürze römische Sprache und Sitte heimisch; dem Vordringen der Civilisation in das Binnen­land aber traten noch manche örtliche Schwierigkeiten entgegen. Dalmatiens Flüsse bilden eher Wasserfälle als Wasserstrassen und auch die Herstellung der Landstrassen stösst hei der Beschaffenheit seines Bergnetzes auf ungewöhnliche Schwierigkeiten. Dennoch machte die römische Regierung ernstliche Anstrengungen, das Land aufzuschliessen. Unter dem Schutze eines Legionslagers bei Burnum, südlich von Knin an der Kerka1), entwickelte sich die Bodenbe­stellung nach italischer Art im Kerka-Thale, unter dem Schutze eines Lagers bei Delminium2), südlich Trilji an der Cetina, jene in dem dieses Flusses. Tiefer im Lande, zwischen Kulpa und Drina lagen allerdings für den Ackerbau weniger günstige Gebiete, in römischer Zeit in ähnlichen primitiven Verhältnissen, wie sie zum Theile heute noch sind. Kaiser Tiberius Hess durch die Soldaten der dalmatinischen Lager von Salona bis in die Thäler Bosniens Strassen und Ver- kehrswege bauen; aber die späteren Regierungen Hessen, wie es scheint, diese schwierige Aufgabe wieder fallen. An der Küste und in den der Küste näher gelegenen Strichen bedurfte Dalmatien in­dessen bald keiner weiteren militärischen Hut mehr. Die Legionen des Kerka- und des Cetina-Thales konnte schon Vespasian (69— 79 n. Chr.) von dort wegziehen und anderwärtig verwenden. Handel, Schiffahrt und Gewerbe müssen damals an den Küsten von Dalmatien, vorzüglich in Salona, geblüht haben; der Ort wuchs zu einer grossen Stadt an, in welcher Kaiser Diocletianus, (284—305 n. Chr.), der im Jahre 313 n. Chr. starb, seinen bekannten prachtvollen Palast baute. Diocletian war ein geborener Dalmater und nicht wenig bemüht, seine Heimath emporzubringen. Die reichen Eisengruben Bosniens, den Römern wohl bekannt, sowie die Wälder, reich an Bau- und Schiffholz, waren Ursache vielfacher Handelsbeziehungen und regen Lebens. Die Civilisirung und Romanisirung Dalmatiens ist eine der eigensten und bedeutungsvollsten Erscheinungen der Kaiserzeit. Die Grenze Dalmatiens und Makedoniens bildete zugleich die poli­tische und sprachliche Scheidung des Occidentes und des Orientes. 1 und 2) Die Lage der Puncte kann nicht mit Sicherheit bestimmt werden. 36

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