Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte

Die Körner im Gebiete der heutigen österr.-ungar. Monarchie. 277 Aus Ulyricum hatten die Römer schon früh durch Mösien, das heutige Serbien, Bosnien und die Hercegovina Verbindungen mit der Save- und Donau-Linie gesucht. Die Ureinwohner Bosniens waren illyrische, mit den heutigen Albanesen verwandte Stämme. Vierhundert Jahre vor Christus hatte das Einströmen der Kelten begonnen. Schon um das Jahr 170 v. Chr., als die Römer bereits die südlich von der Narenta liegenden Küsten besetzt hatten, schlossen die nördlich von dem Flusse sess­haften Stämme der Illyrer und Kelten einen Bund gegen die Römer und wurden, nach dem Mittelpuncte dieses Bündnisses, Delminium — Delmaten oder Dalmaten genannt. Delminium soll das heutige Duono sein, das noch im Mittelalter als Dumno oder Dlmno vorkommt. Im Jahre 155 v. Chr. wurde diese Stadt durch Cor­nelius Scipio Nasica erstürmt. Bis zum Jahre 78 v. Chr. dauerten die Kämpfe, welche mit der Eroberung des heutigen Bosnien und der Hercegovina endeten. In kleinen Aufständen erhoben sich die Bewohner noch häufig gegen ihre Bezwinger und die Beschreibung der Kampfweise der Aufständischen, begründet in den natürlichen Verhältnissen dieser Berglande, erinnert oft überraschend an die neuesten Insurrectionen. Bosnien gehörte nunmehr mit Ausnahme der Posavina-Ebene, die zu Pannonien gerechnet wurde, zur römischen Provinz Dal­matien.1) Nach dem Itinerar und der Tabula lässt sich feststellen, dass zur Zeit der Römer drei Hauptstrassen Bosnien und die Herce­govina durchkreuzten, die Hauptstadt des damaligen Dalmatien, das bedeutende Salona, mit der Posavina, Podrinje und dem Neret- Thale verbindend. Die erste Strasse führte von Sirmium (Mitrowic) neben der Save bis Servittium (Gradiska) und von hier durch das heutige Türkisch-Kroatien nach Salona. Diese Strasse hatte nach der Verzeichnung in der Tabula Peutingeriana folgende Stationen: ') Strabo kennt die Narenta und die Save, Plinius auch die Flüsse Vac- lusus (Unna) und den Verbanus (Vrbas). Aus der Station »Ad Bassante« der Peutinger’schen Tafel folgert man, dass der Bosna-Fluss zur Zeit der Römer Bassante hiess. Das heutige Bosnien gehörte zu dem Verwaltungsgebiete von Salona, die Hercegovina zu dem von Narona. 37

Next

/
Thumbnails
Contents