Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte
Die Römer im Gebiete der heutigen österr.-Ungar. Monarchie. 275 die Brenker und fast säinmtlicke Stämme im illyrischen Gebiete. Die Aufständischen, welche über 200.000 Streiter geboten, wendeten sich sogar gegen Rom selbst und verwüsteten das durchzogene Land. Kaiser Augustus liess im Jahre 8 v. Chr. die Operationen des Tiberius sistiren und zur Verstärkung der herbeigezogenen Truppen erhielten die Legionen in Klein-Asien die Ordre, in das illyrische Gebiet abzurücken. Mit wechselnden Erfolgen wurde gestritten und da die Illyriker sich auf den kleinen Krieg verlegten, so war es den Römern schwer, den Kampf zu beenden. Augustus sandte desshalb im nächsten Jahre (7 v. Chr.) den Germanicus dahin mit bedeutender Heeresmacht. Im Ganzen standen fünfzehn Legionen dem Feinde gegenüber, ein Heer, wie es selten in dieser Stärke von den Römern zu einem Zwecke gesammelt worden, und dennoch gelang es erst nach drei Jahren, Illyricum wieder zu unterwerfen. Nach den bei der Insurrection gemachten Erfahrungen schien es erforderlich, nicht blos die in Illyricum ausgehobenen Mannschaften, statt wie bisher in ihrer Heimath, vielmehr auswärts zu verwenden, sondern auch die Dalmater wie die Pannonier durch besondere militärische Einrichtungen in Botmässigkeit zu erhalten. Der Widerstand hatte sich indessen ausgetobt mit dem einen gewaltigen Sturm; späterhin verzeichnen die Berichte keine ähnliche oder auch nur partielle Bewegung. Schon früher hatten die griechischen Kaufleute wohl auf der ihnen zunächst liegenden Küste die beiden grossen Emporien Apollonia (bei Valona) und Dyrrhachium (Durazzo) gegründet; weiter nordwärts besassen sie nur auf den vorliegenden Inseln Issa (Lissa), Pharos (Lesina) und Kerkyra (Curzola) Ansiedelungen. Unter der römischen Republik späterer Periode hatten schon die italienischen Kaufleute die Erbschaft der griechischen angetreten und sich in Epidaurum (Ragusa vecchia), Narona (Vid), Salona (Spalato), Jader (Zara) in solcher Zahl niedergelassen, dass sie im Kriege zwischen Caesar und Pompejus eine nicht unwesentliche Rolle spielten. Für das südliche Illyricum (Dalmatia) begann nun mit dem Imperium eine neue vielverheissende Epoche. Vor Allem blühte rasch die Hauptstadt des Landes Salona (Spalato) auf und überflügelte weit die älteren griechischen Ansiedelungen 85 18*