Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte
Die Römer im Gebiete der heutigen österr.-ungar. Monarchie. 269 pathen-Gebirges, sollte ein sicheres Durchzugsland bieten zu weiteren Unternehmungen und Eroberungen. Es ist dadurch erklärlich, welche Wichtigkeit die trajanische Brücke hatte, welche die Verbindung herstellte mit dem weiteren Machtgebiete des römischen Reiches. Die Strassenzüge aus Italien und der Balkan-Halbinsel, welche an die Donau führten, sollten ihre Richtung gegen diese Brücke nehmen, welche so bestimmt war, ein Hauptknotenpunct des Weltverkehrs zu werden. Von der Donau nordwärts in dacisches Gebiet sollten Strassen gebaut werden von Lederata (Uj-Palanka) längs den Ausläufern der Berge hin über Werschetz nach Zambera (Temesvár), Tapie (Tapia) und Tibiscum (Karansebes), eine zweite von Lederata durch das Thal der Karas über Varadia, Zsidovin und Ezeres nach Tibiscum, eine dritte endlich, von der Donau kommend, brach bei Orsova in das Land. Mit der Trajans-Brücke war der erste Schritt geschehen, um dem Reiche, dem die Grenzen des Rheines, der Donau und des Euphrat zu enge geworden, die Erweiterung nach Norden zu erringen und auch Mittel-Europa zu römischem Besitz zu machen. Die Verwirklichung all’ dieser Pläne erlebte aber Trajan nicht mehr und unter seinem Nachfolger Hadrian, 117 n. Ch., ging Dacien wieder den Römern verloren. Die Brücke wurde abgetragen und an ihrer Stelle eine Flotten-Station errichtet. Höchst wahrscheinlich bediente sich jedoch später Kaiser Constantinus doch wieder dieser Brücke. Ein Thurm, welcher zur Brückenbefestigung gehört haben mag und als Ruine erhalten blieb bis auf heute, sowie zwanzig Pfeiler, welche bei niederem Wasser stände hervorragen, sind Zeugen des Unternehmungsgeistes und der Ausdauer des römischen Volkes. Der wichtigste und bedeutendste Platz war Sarmizegethusa (Várhely), auch Ulpia Trajana nach dem Besieger genannt. Die Lage ist festgestellt sowohl durch vielfache Ausgrabungen als auch durch die Uebereinstimmung der Entfernungen nach der Peutinger'schen Tafel. Im Hátszeger-Thal, im Westen von Siebenbürgen, lag diese ehemalige Residenz des Decebalus. Die Ausdehnung der Stadt war eine sehr bedeutende und umschliesst die heutigen Dörfer Ohaba, Klopotiva, Brazova und Ostró. Nach der Besitznahme erbauten die Römer hier ein Castrum, welches von Soldaten der V. mösischen 29