Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte

30 Legion unter Commando des Legaten Terentius Scaurianus aus­geführt wurde. Eine andere bedeutende Colonie war Napoca (bei Maros-Vásár­hely auf beiden Seiten der Maros. Zweifelhaft ist es, ob der Ort Aquae eine Colonie oder ein Municipium gewesen, jedenfalls aber waren es hier die Quellen, welche dem Orte den Namen gaben. Man bezeichnet Kis-Kalán als den Ort, wo Aquae gestanden. Die zum Theile ausgegrabenen Thermen auf dem rechten Maros-Ufer bei Gyógy bezeugen diese Lage. Merkwürdige römische Niederlassungen sind die beiden Aurariae (Abrudbánya und Zalatna), welche, wie der Name andeutet, in Folge des Bergbaues auf Gold entstanden. Die römische Strasse führte vom Flecken Sárd über die Ampoi-Brücke, am linken Ufer des Ampoi-Baches hinauf in das Herz der dacischen Gold- und Erz­gebirge. Aber nicht nur der Bergbau wurde bereits grossartig be­trieben, auch die Seifenwerke und Gold Wäschereien müssen im alten Dacien bedeutend gewesen sein, besonders am Goldflusse weit hinauf bis unter die schroffen Abhänge der Gaina und des Biliarer Gebirges, wo noch aller Orten künstliche Vertiefungen, Gruben und Aufwürfe sichtbar sind. Die Römer versäumten nichts, was dem Bergbaue und der Gewinnung edler Metalle förderlich sein konnte; letztere gehörten theils zu den Regalien des Kaisers, theils dem Aerar. Viele Tau­sende von Menschen wurden zu diesen Arbeiten verwendet. Mit welchem Eifer die römischen Colonisten den Goldbau betrieben, besorgten und beschützten, beweisen nicht nur die vielen, vorzüglich zu Verespatak angebrochenen und ausgebeuteten Gänge, sondern auch nicht wenige im Weichbilde von Abrudbánya und Búcsúm gefundene Gedenksteine und Marmorfiguren, so namentlich auch eine durch Clodius Sextus, Präfecten der zur Ueberwachung der Goldgruben hieher verlegten Besatzung, dem Kaiser Antoninus Pius und der Kaiserin Annia Faustina errichtete Statue, mit angemessener Dedication. Die Colonie Marcoclava lag nächst Várfalva. Die unitarische Kirche daselbst ist aus den behauenen Steinen dieser alten römischen Stadt erbaut und noch fortwährend werden dergleichen Steine in der Umgebung ausgegraben.

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