Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte
€ 2G8 K u 1 n i g g. Meer bedrohte Trajan das dacische Reich. Auf diese Weise liess sich der Gegner verleiten, seine Streitkräfte vielfach zu theilen, um auf den verschiedensten Puncten zum Kampfe bereit zu sein. Die römische Hauptmacht war in Ober-Mösien bei Sigidunum concen- trirt und zwei zum Uebergange günstige Puncte ausgewählt; Trajan beabsichtigte, direct in das Herz von Dacien einzudringen. Zwei Brücken wurden zu diesem Zwecke geschlagen, eine bei Viminacium (Kastolac), über welche der Kaiser selbst seine Colonne führte und bei Dierna (Orsova), wo der Legat Quintus Lussius über die Donau setzte. Bei Tibiscum (Karansebes) sollten sich beide Colonnen vereinen und dann gegen die Hauptstadt Sarmizegethusa Vordringen. Bei Tapie (Tapia) kam es zu einer blutigen Schlacht, in welcher die Römer siegten und nun nach ihrer Vereinigung bei Tibiscum (Karansebes) unaufgehalten durch den eisernen Thorpass gegen die Hauptstadt vordrangen. Nach dem Falle der Hauptstadt wurde dem König Decebalus unter harten Bedingungen der Friede dictirt. Er blieb König, musste jedoch Kriegssteuern zahlen und sank zum Vasallen Roms herab. Sarmizegethusa erhielt eine römische Besatzung. Mit diesem glücklichen Unternehmen gab sich Trajan nicht zufrieden, er trachtete, Dacien gänzlich in eine römische Provinz zu verwandeln. Zur Verwirklichung dieser Absicht mussten in erster Linie bleibende, gute Verbindungen geschaffen werden und desshalb wurde eine permanente steinerne Brücke, die nachmals vielgerühmte trajanische, beim heutigen Turn-Severin gebaut. Decebalus erkannte sehr richtig in diesen Unternehmungen die grosse Gefahr für sein Reich und suchte die Feindseligkeiten neuerdings zu eröffnen. Trajan gelang es, ihn hinzuhalten, bis nach Vollendung der Brücke die römischen Heeresmassen über die Donau nach Dacien in verschiedenen Richtungen eindrangen und Decebalus von Ort zu Ort trieben, der endlich sein Reich verloren gab und verzweifelt seinem Leben ein Ende machte. Das eroberte Dacien wurde nun zur römischen Provinz gemacht, erhielt einen Propraetor oder Statthalter und die zwei Legionen V. »Macedonia« und XIII. »gemina« mit ihren Auxiliar- Truppen als Besatzung. Ansiedler aus allen Gegenden, namentlich Italien und Griechenland wurden in das Land gezogen und in jeder Weise dasselbe zu romanisiren gesucht. Dacien, innerhalb des Kar28