Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte
bestimmtere Angaben über Ausdehnung, Bevölkerung etc. sind nicht erhalten. Im Jahre 515 v. Chr. streift mit dem Kriegszug des Darius Hystaspis gegen die Skythen zum ersten Male historisches Licht über Dacien, um bald darauf wieder völlig zu erlöschen. Viel später erst wird durch die Eroberungen Philipps von Makedonien und Alexanders bekannt, dass ein thrakischer Volksstamm, die Daker, vom rechten Ister-Ufer in das Agethyrserland gedrängt worden, der die dortigen Bewohner entweder ganz unterdrückte oder sich mit selben mischte. Unter Julius Cäsar und Augustus aber erscheinen die Dacier schon als ein kriegerisches und kräftiges Volk, welches selbst dem weltbeherrschenden Rom gefährlich schien. Es lag im Interesse der Römer, ihres Reiches Grenzen über die Donau hinaus und ebenso bis zum Schwarzen Meere auszudehnen, dabei aber nach Möglichkeit natürliche Grenzen zu gewinnen. Wohl mag dabei auch der Gedanke an den weithin berühmten Gold- und Salzreichthum Daciens mitgewirkt haben. Grosse Vorbereitungen mussten von Trajan gemacht werden und eine Reihe von Verschiebungen der Standquartiere der Legionen und Auxiliar-Truppen geschahen zu diesem Zwecke. Die Hauptstreitkräfte wurden an der mittleren und unteren Donau concentrirt. Vom Rheine her wurden vier Legionen, welche nun mit den schon an der Donau- Linie gelegenen die ansehnliche Macht von zwölf Legionen bildeten, herangezogen. Es wurden überdies für besondere Zwecke die I. legio »Minerva« von Bonná am Nieder-Rhein und die XIII. »gemina« von Poetovio herbeigezogen. Vorsichtiger Weise hatte Trajan wohl nicht die Legionen, welche in den festen Plätzen an der Donau lagen, zum Angriff auf Dacien verwendet, sondern ausser den oben angeführten nur die Reiter-Alen und Auxiliar-Truppen. Im Ganzen betrug die Stärke der operirenden Armee 80.000 Mann. Es führte sogar ein mauretanischer Fürst zahlreiche numidische Reiterei zu diesem Unternehmen herbei. Auf der Donau besorgte eine Flottille den Transport des Kriegsmaterials und das Ueber- setzen der Truppen. Die Strassen und Verkehrslinien wurden in besten Stand gesetzt. Der Feldzug wurde im Frühjahre 101 n. Chr. eröffnet und auf der ganzen Linie von Sigidunum (Belgrad) bis an das Schwarze 27