Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Oberst von Wetzer: Der Feldzug am Ober-Rhein 1638 und die Belagerung von Breisach. Beiträge zur Geschichte des dreissigjährigen Krieges (Schluss)
1 329 wieso denn eine Brücke bei dem eroberten Posto über den Rhein geschlagen werden möge, um den Feind diesen Winter jenseits Rheins mit der Cavallcrie zu travaigliren. hiergegen haben Wir die gnädigste Verordnung gethan, Unsern und des Reichs Völkern mit dem bedürftigen Proviant aus der Schweiz beizuspringen.< Die Wichtigkeit des Rhein-Uebergangs Breisach für das Reich deutscher Nation, die Sorge darum auch um seine Erhaltung und die immer dringender werdende Gefahr des Verlustes der Festung an Frankreich, welches sich mit so viel Vortheil eines deutschen Fürsten zu widerdeutscher That bediente, wurde in Wien so mächtig empfunden, dass — nachdem die menschlichen Mittel erschöpft schienen — an höhere Hülfe appellirt wurde. Am 6. December begleitete der Kaiser selbst eine feierliche Procession zu allen Kirchen der Stadt, »zu Abwendung der schädlichen Belagerung Breisachs, einen guten Success und Sieg.« ') Auch Kurfürst Maximilian hatte, nachdem sich FM. Graf Götz »neben den kaiserlichen Völkern wieder etwas zurückgezogen«, ihm noch einmal »bei eigenem Courier de novo befohlen, mit er- meldetem Entsatz annoch die äusserste Möglichkeit zu tentiren.«2) Der neuen Truppenansammlung der Kaiserlichen und Bayern gingen Bewegungen im Schwarzwald Anfang November voraus. Die kaisertreuen katholischen Schwarzwäldler unternahmen, 700 Mann stark, sobald sie von Viliingen und Rottweil aus mit 200 kaiserlichen Soldaten unterstützt wurden, einen Handstreich auf Waldshut, der — bei einer sehr kleinen schwedischen Besatzung — auch gelang.3) Von hier griffen sie das Schloss Gutenburg im Schwarza-Thal, in welchem 1000 Malter Frucht liegen sollten, an, wurden aber abgewiesen4) und verhessen auch Waldshut, als stärkere schwedische Truppenabtheilungen sich näherten. Herzog Bernhard hess die Waldstädte nun mit 1200 Mann besetzen, in Rheinfelden stand Obristlieutenant Fortio mit 600 Mann, in Lauffenburg Obrist Flersheimer und Major Sauerzopf mit 500 Mann, *) Theatr. europ. III., 1004. 2) Ambraser Acten, 10. November. 3) Theatr. europ. III., 1002 u. ff. 4) Das Schloss fiel indessen bald darauf mit 500 Malter Frucht doch in kaiserliche Hände.