Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Oberst von Wetzer: Der Feldzug am Ober-Rhein 1638 und die Belagerung von Breisach. Beiträge zur Geschichte des dreissigjährigen Krieges (Schluss)
Der Feldzug am Ober-Rhein 1638. 83 Kaiserischen die Weimarische Schanzen vor Breisach attaquirt, auch die zwei Vorschanzen occupirt gehabt und allbereits in der dritten Hauptschanze, daran des Feindes Rheinbrücke liegt, gewesen, welche aber mit Verlust zwei- oder dreihundert Mann, wiederum zurückgeschlagen worden und man des Feindes Werke für stärker als Breisach selbst ästimiren will, und also die Generalspersonen die Festung Breisach für verloren schätzen wollen und das kaiserische Lager sich gegen den Schwarzwald wieder retirirte, denn es verlauten will, dass auf der elsassischen Seite Breisach ebenmässig schwerlich zu succurriren, weil deren Orten keine Fourage für die Reiterei sein solle, auch der Feind an der Rheinbrücke zu Breisach drei Joch hinweggebrannt habe und also das ganze Wesen am Rhein-Strom sehr turbulent sich ansehen lässt.« Mit Strenge urtheilen die kaiserlichen Befehlshaber über Götz. *) »E. hochfürstl. Durchl. kann ich leider nicht bergen« meldet FZM. v. d. Goltz nach Innsbruck »wie dass der verhoffete Entsatz der Festung Breisach nicht erfolget, sondern unfehlbar die Festung muss verloren werden.« . . »Gott verzeihe Dem, der an Verlust dieser so hoch angelegenen und nützlichen Festung schuldig.« Dagegen treten die höheren kurbayerischen Ofticiere mit Entschiedenheit für Götz ein. Die Möglichkeit eines Durchbruchs gegen Breisach an diesem Tage läugnen alle und selbst bezüglich des in Wien geplanten Ersatzes für den Verlust von Breisach, der Eroberung Neuenbürgs oder Hüningens, sagt Obrist Johann v. Marschall:2) »Vor Breisach zu stehen hat der bekannte Mangel der Fourage, als deren keinen Halmen auf fünf Meilen Weges zu finden gewesen, darnach auch der Proviant, welcher dorthin zu überführen unmöglich, nicht leiden können. Neuenburg aber und andere Oerter zu attaquiren und in Eile wegzunehmen, ist eine Unmöglichkeit gewesen, weil keine qualificirten Stücke oder andere benöthigte Requisiten bei der Hand gewesen.« Noch gingen Gerüchte, auch Markgraf Wilhelm von Baden erwähnt aus Speyer eines solchen, dass Breisach bereits entsetzt * 3 ') Ambraser Acten. Bericht des FZM. v. d. Goltz. Waldkircli 27. October. 3) Götz’scher Inquisitions-Act. H. K. R. 1638. N. 178. 325 6*