Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

208 Die Kákóezi’schen Unruhen. Keresztur. von Kaschau, indem er auf dem die Stadt im Westen beherrschen­den Rideau Laufgräben eröffnete und am 1. October mit seiner gesammten aus neun Geschützen bestehenden Artillerie die Stadt zu beschiessen anfing. Obwohl Kaschau eine Besatzung von 4000 Mann, 30 bis 40 Geschütze und in dem Insurgentenführer Radies einen tüchtigen Befehlshaber besass, gelangten die Kaiserlichen mit den Spitzen der Sappe dennoch schon am 10. October bis an den Grabenrand. Da aber ein grosser Theil der vorhandenen Munition verschossen war und die Schwierigkeit Lebensmittel aufzutreiben sich täglich steigerte, durfte an eine Fortsetzung der Belagerung nicht länger mehr gedacht werden. Gezwungen, solche Gegenden aufzu­suchen, in welchen die Verpflegung der Truppen überhaupt noch möglich war, wandte sich Rabutin gegen Tokaj und sandte den Obristen Tige mit 2000 Reitern dorthin voraus. Letzterer stiess bei Keresztur auf eine überlegene Abtheilung Károlyi’s, zersprengte dieselbe, hieb dabei 500 Mann nieder und machte zahlreiche Ge­fangene. Unter Entbehrungen aller Art zog das kaiserliche Corps längs des linken Theiss-Ufers über Tisza-Füred und Török-Szent- Miklós nach Szolnok, wo es im Anfänge des November ankam. Nach einer längeren Rast wurde Ende December der Marsch nach Debreczin und von hier nach Berettyo-Ujfalu fortgesetzt, wo Rabutin nochmals den schon wiederholt an ihn erlassenen Befehl erhielt, 2000 auserlesene Reiter unter dem Obristen Tige nach Siebenbürgen zu senden, die Besatzungen von Grosswardein, Szegedin und Arad angemessen zu verstärken und den Rest seines Corps unverzüglich nach Ofen zu führen. Als Rabutin’s Corps am 21. Januar 1707 in Pest eintraf, war es durch die langen Märsche und Entbehrungen derart heruntergekommen, dass es kaum mehr als schlagfertig gelten konnte. Mittlerweile hatten sich die Insurgenten zu Herren des öst­lichen Ungarn gemacht und auch in Siebenbürgen gewann Pekri mehrere Plätze und liess auf dem Landtage zu Thorda Rákóczi abermals huldigen. Feldzug 1707. Quellen: Wie bereits angegeben. Um die weiteren Operationen mit Rabutin festzustellen, begab sich FM. Starhemberg Ende Januar mit 500 Reitern von Wien nach Raab. Da die Donau bei Pest wegen des Treibeises jedoch nicht zu passiren war, verzögerte sich die Begegnung der beiden

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