Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
Die Rákúczi’schen Unruhen. 209 Simontornya. Marschälle bis zum 8. Februar, an welchem Tage sie in Bicske, westlich von Ofen, stattfand. Hier wurde eine Offensivoperation verabredet, durch welche die Insurgenten auf dem rechten Donauufer bis in ihre letzten Schlupfwinkel zurückgedrängt werden konnten. Rabutin sollte zunächst dem blokirten Stuhlweissenburg Luft machen, hierauf die Einnahme von Simontornya durch einen Handstreich versuchen, dann die Vorrückung auf dem Nord-Ufer des Platten-Sees fortsetzen und schliesslich auf der Linie Veszprim- Tapolcsa-Szent-Grot eine Stellung beziehen. In Uebereinstimmung mit diesen Bewegungen sollte FML. Graf Max Starhemberg von Oedenburg an die Raab vorgehen und entweder über Pápa, jedenfalls aber über Szent-Grot die Vereinigung mit Rabutin bewirken. Als der Letztere gegen Mitte Februar von Bicske aufbrach, hoben die Insurgenten die Blokade von Stuhlweissenburg sofort auf und das kaiserliche Corps marschirte über Csikvár in südwestlicher Richtung fort und nahm zwischen den Dörfern Tác, Polgárdi, Füll und Enying eine Stellung, welche durch Verschanzungen verstärkt wurde. Von hier aus suchte sich der Feldmarschall des südwärts gelegenen Simontornya, wohin ein combinirtes Detachement in Marsch gesetzt wurde, zu bemächtigen. Dieser Versuch scheiterte jedoch, da der Platz sturmfrei und in jeder Hinsicht wohl ausgerüstet war. Rabutin nahm nun seine ursprüngliche Marschrichtung wieder auf, um über Lepsény das nördliche Ufer des Platten-Sees zu gewinnen und in Veszprim die Vereinigung mit Max Starhemberg zu erreichen. Inzwischen hatten die Insurgenten die Feindseligkeiten wieder mit ihren gewohnten Verwüstungs- und Raubzügen eröffnet, welchen diesmal einige treu zum Kaiser haltende Orte in der Nähe von Oedenburg zum Opfer fielen. Als sie aber vor Harka undDrass- markt blutig abgewiesen wurden, fielen sie unter Bezerédy von Güns aus in Steyermark ein, in welchem Lande sie in der Gegend von Hartberg 16 Ortschaften zerstörten und deren Bewohner niedermetzelten. Gleichzeitig schob Bottyán einige Streitkräfte von Pápa gegen die Raab vor, deren wichtigste Uebergangspuncte befestigt und besetzt wurden, um die Vereinigung Max Starhemberg’s mit Rabutin zu verhindern. Alle übrigen Truppen sammelte Bottyán in der Linie Pápa-Veszprim und stellte sie unter das Commando Adam Ballogh’s, während Bezerédy den Befehl erhielt, sobald Starhemberg Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. 15