Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Feth-Islam (Kladova). Zernion. Zvornik. die Festung Temesvár beobachten und Lippa besetzt halten. Weder für die Hauptarme« noch für das Corps Heissler waren Verstärkungen zu erwarten, da die ungarischen Nationaltruppen Gross-Kanizsa und Grosswardein blockirt halten mussten. Der Markgraf wollte indessen die Zeit doch nicht ganz unbenutzt lassen und ging mit den beiden in Belgrad stehenden Reiter-Regimentern sofort gegen Jagodina vor. Die vollständige Verarmung des Landes und die überlegenen feindlichen Streitkräfte, bei 18.000 Mann, welche das jenseitige Ufer der Morava besetzt hielten, nöthigten ihn aber, die Ausführung seines Planes aufzuschieben und bei Hassan-Pascha-Palanka Stellung zu nehmen. Während er hier die nachrückenden Truppen erwartete, erschien Thököly mit ungefähr 8000 Malcontenten und Türken vor Feth-Islam (Kladova), liess diesen Platz durch einige Tage be- schiessen und zwang endlich die darin befindliche kaiserliche Be­satzung zum Abzüge. Dieser geringfügige Erfolg des Feindes erregte in Wien so lebhafte Besorgnisse, dass der Hofkriegsrath den Mark­grafen anwies das Fussvolk unter den Kanonen von Belgrad zu belassen, die Reiterei aber auf das linke Stromufer der Donau zurückzuführen und mit ihr die befürchteten feindlichen Einfälle abzuwehren. Der Markgraf erhob gegen diesen Befehl Gegen­vorstellungen und verblieb bei Hassan-Pascha-Palanka, wo bis zum 12. Juli endlich der grösste Theil der Hauptarmee anlangte. Da Recognoscirungen ergeben hatten, dass der Seraskier Arab Redschib Pascha mit 20.000 Mann bei Krusevac stehe, bereits einen Theil seiner Truppen auf das linke Ufer der serbischen Morava vor­geschoben habe und von dem Grosswesir bekannt war, dass er bei Sofia lagere, machte der Markgraf einen Versuch den Gegner zur Offensive zu verleiten und führte in dieser Absicht die Armee in eine Stellung bei Semendria zurück. Da aber der Feind unbe­weglich blieb, änderte der kaiserliche General sein Vorhaben und beschloss seinen früheren Plan eines Vorstosses gegen Nisch in Ausführung zu bringen. Während dieser Vorgänge an der Morava hatten die Türken einen Streifzug nach Croatien unternommen, dabei aber durch den Grafen Draskovic auf der Ebene von Zernion am 20. Juli eine empfindliche Niederlage erlitten. Es war ein geringer Ersatz für diese Schlappe, dass Zvornik, durch 19 Tage belagert, am 1. August endlich eapituliren musste. 120 Der zweite Krieg Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1683—1699.

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