Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Feldzug 1688. 113 Aushebung der ersten Parallele begonnen. Um die Arbeiten der Belagerer zu stören, unternahmen die Türken am 12., 13. und 15. August heftige Ausfälle, wurden aber energisch zurück- geschlagen. Da unaufhörlich 3000 Mann in den Laufgräben schanzten, konnte schon am 15. August der Bau einer grösseren Batterie in Angriff genommen werden, zu deren Armirung aber das schwere Geschütz erst aus Ofen erwartet werden musste. Eine Aufforderung zur Capitulation, welche der Kurfürst an Ibrahim gelangen liess, blieb unbeantwortet. Am 17. wurden die ersten Schüsse gegen die Festung abgegeben und mit den Erdarbeiten bis auf 30 Schritte von der Contreescarpe vorgegangen und am 22. August ward eine Brücke ausser Fortéé der türkischen Kanonen in der Verlängerung des rechten Flügels geschlagen. Endlich trafen auch die sehnsüchtig erwarteten Belagerungs-Geschütze am 25. August vor Belgrad ein, wurden sogleich in die Batterien geführt und wirkten mit so vorzüglichem Erfolge, dass in wenigen Tagen die Kanonen der Festung völlig demontirt waren und ein Eckrundeil zusammenstürzte. Am 28. August Hessen die Türken unmittelbar vor der Breschbatterie der Angreifer eine Mine springen, die aber keinen nennenswerthen Schaden anrichtete. Wenige Stunden später schlug jedoch eine türkische Bombe in ein Munitions-Depot der Kaiserlichen und sprengte es mit den darin befindlichen 20 Tonnen Pulver in die Luft. Die Türken, welche die Wirkung der Explosion weit überschätzten, fielen sofort gegen beide Flügel der Laufgräben aus, wurden aber bald wieder mit Verlust zurückgetrieben. Am folgenden Tage liess der Kurfürst den Platz zum zweiten Male, jedoch wieder vergeblich, auffordern und in der Nacht durch den Obristen Grafen Starhemberg ein an der Contreescarpe von den Türken errichtetes Retranchement in Besitz nehmen. Dafür ent­deckten die Türken am 30. August die bereits unter die Esearpe vorgetriebenen Minen der Kaiserlichen und machten dieselben un­schädlich. Mittlerweile hatte der Kurfürst die beschädigten Minen wieder hersteilen und zwei Breschen öffnen lassen, die von 40 Mann in Front passirt werden konnten. Nur die Sprengung der Minen sollte noch abgewartet und dann der Sturm unternommen werden. Am Abende des 4. September fiel jedoch eine türkische Bombe in den, im jüngst eroberten Retranchement angesammelten Munitionsvorrath,

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