Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

114 Der zweite Krieg Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1683—1699. richtete grossen Schaden an und verschüttete die Minen derart, dass der ganze folgende Tag zu ihrer Reparatur verwendet werden musste. Diese gelang in so erwünschter W eise, dass endlich am 5. September um Mitternacht die Minen gezündet werden konnten. Bei Tagesanbruch besichtigte der Kurfürst die Wirkungen derselben und ertheilte um 9 Uhr Morgens des 6. September den Befehl zum Sturme. Der Anlauf gegen die Bresche erfolgte in zwei Colonnen und wurde von drei Scheinattaken mit den Schiffen gegen die Wasserstadt unterstützt. Die beiden Sturmcolonnen, jede 1050 Mann stark, wurden vom FML. Scherffenberg und den GFWM. Steinau und Graf Oetting unter dem Obercommando des FZM. Sereni ge­führt. Scherffenberg fiel an der Spitze der Colonne von einer Mus­ketenkugel getödtet und wenige Augenblicke später ereilte den Obristen Emanuel Grafen Fürstenberg ein gleiches Schicksal. Unter grossen Verlusten erstiegen die Kaiserlichen die Bresche, stiessen aber unerwartet hinter derselben auf einen zweiten Graben und eine zweite Mauer. Die Stürmenden, jeder Deckung beraubt, von allen Seiten beschossen und mit Granaten und Pulversäcken be­worfen, geriethen in Unordnung und konnten nur durch das ener­gische Einschreiten des Kurfürsten vom eiligen Verlassen der Bresche abgehalten werden. Max Emanuel führte die Reserven und mehrere neue Regimenter zur Unterstützung der Stürmenden heran und nun wurden Graben und Mauer hinter der Bresche über­klettert und behauptet. Mittlerweile hatten sich andere, eigentlich nur zum Demonstriren bestimmte Truppen eines Thores in der östlichen Front der Oberstadt und der auf der benachbarten Batterie stehenden Geschütze bemächtigt. Aehnliches war dem GFWrM. Heissler gelungen, dex-, nachdem in einem hitzigen Gefechte ausser­halb der Festung 200 Türken gefallen waren, sich mittelst einer Petarde gleichfalls ein Thor öffnete. Als nun die Kaiserlichen von mehreren Seiten zugleich hx die Oberstadt eindrangen, zog sich der Rest der türkischen Besatzuxig xxach der Festxxng zurück xxixd hisste bald darauf die weisse Fahne axxf. Der Kurfürst nahm die Capi­tulation des Conxnxandanten und seiner noch übrig gebliebenen 250 Soldatexx, dexx Rest einer Garnison von mehr als 7000 Mann,, axx. In Belgx-ad wui'den 86 Geschütze ixnd reiche Munition, soxxst aber nur gex-ixxge Bexxte vorgefxxxxden, da die Türken alle Werth- gegenstände frühzeitig ixx Sicherheit gebracht hatten. Die Kaiser-

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