Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
98 Der zweite Krieg Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1683—1699. Todorovo. Klein-Kladuí. Perkovac. Kutjeva. er am 19. October eintraf und die bei ihm verbliebene Infanterie zur Verstärkung der Garnison von Ofen bestimmte. Die 7 Reiter- Regimenter, welche denUeberrest der Hauptarmee bildeten, gelangten am 24. October nach Gran und marschirten von dort aus in die Winterquartiere. Der Herzog hatte schon einige Tage vorher die Reise nach Wien angetreten. In Croatien war durch den FML. Grafen Herberstein während des Winters 1685/6 ein lebhafter Parteigängerkrieg unterhalten worden. Als dieser General in die Dienste des Malteser-Ordens übertrat, erhielt Graf Matthias Strassoldo das Commando in Carl- stadt und liess durch den landeskundigen Obristen Orsié mehrere Streifzüge ausführen. Dieser überfiel die bosnische Ortschaft Todorovo am 7. März, hieb die Besatzung von Klein-Kladus am 18. März nieder und verbrannte die Palanka von Gross-Kladus. Dieser Streifzug verbreitete im türkischen Grenzlande solchen Schrecken, dass die Türken Gross-Kladus freiwillig räumten. Zwei Monate später zog Havrilovic, der Vice-Capitän von Ogulin, vor den türkischen Flecken Perkovac, zerstörte ihn am 21. Mai und kehrte mit ansehnlicher Beute heim. Gleichzeitig verbrannte der Obristlieutenant Macari das Städtchen Kutjeva, in welchem 300 Türken fielen, worauf er den Rückzug nach Kopreinitz antrat. Nicht weniger glücklich verliefen die wiederholten Beutezüge, welche Radanay, der Capitän von Zalavár, mit Batthyányi’schen Husaren auf dem linken Ufer der Drau in das türkische Gebiet unternahm. Nach dem Kriegsplane des Hofkriegsrathes war dem Truppen- Corps an der Drau eine untergeordnete Rolle zugedacht. Der Commandant desselben, G. d. C. Graf Schulz, sollte nur die Streifzüge des Feindes in dem total verwüsteten Grenzlande verhindern und zuweilen die kaiserlichen Truppen auf türkischem Boden erscheinen lassen. Das Corps im Süden hatte nach der ursprünglichen Anordnung bis zum 15. Mai schlagfertig bei Virovitica versammelt zu sein. Als sich aber bei Esseg die türkische Hauptarmee zu concentriren begann und gerüchtweise verlautete, ein starker Tatarenhaufe werde längs der Drau und Mur in Innerösterreich einbrechen,