Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
Feldzug 1686. 89 die Belagerungsarbeiten des Herzogs gerichtet war, wurde gleichfalls zurückgewiesen und das schwere Geschütz, das Graf Rabatta zu der Armee geführt hatte, zum grossen Theile in Thätigkeit gesetzt. Zwei Tage später fielen die Türken auf der Südseite aus und versuchten die bayerischen Laufgräben von rückwärts anzugreifen. Auch dieser Ausfall wurde, besonders durch den tapferen Widerstand des FML. Grafen de Fontaine und des Prinzen Eugen von Savoyen, abgewiesen. Am 30. Juni trafen die Truppen des schwäbischen Kreises unter dem Markgrafen von Baden-Durlach ein und am Abende des 4. Juli begannen die, in der Zwischenzeit ebenfalls eingetroifenen Brandenburger unter dem General-Lieutenant Schöning auf dem linken Flügel der Kaiserlichen ihren eigenen Angriff. Das Geschütz der Belagerer wirkte, besonders gegen das Graner-Rundell, mit vorzüglichem Erfolge und verursachte ansehnliche Wallbrüche. Am 9. Juli sprang eine türkische Mine mit ziemlichem Erfolge und die Besatzung fiel sogleich gegen die Brandenburger aus, drängte die Tranchéewachen zurück und warf sich dann, von der linken Flanke her, in die Laufgräben der Kaiserlichen, wo sie aber von der vorrückenden Reserve empfangen und mit empfindlichen Verlusten zum Rückzuge gezwungen wurde. Nachdem die Türken am 13. Juli abermals eine Mine hatten springen lassen, welche ihnen aber selbst grossen Schaden zufügte, machte der Herzog von Lothringen den Versuch, seine Truppen an der entstandenen, noch ungangbaren Bresche zu logiren. Durch die ungestüme Kampfbegierde der zahlreichen, adeligen Volontärs nahm der Kampf, in welchem die Kaiserlichen und Brandenburger nutzlos 600 Mann einbüssten, grössere Dimensionen an, als Lothringen beabsichtigt hatte. Ein Ausfall, den die Türken unmittelbar nach dem abgeschlagenen Sturme unternahmen, wurde indessen von den Brandenburgern energisch zurückgewiesen. Wenige Tage später, am 16. Juli, gelang es dem Kurfürsten von Bayern, seine Truppen in dem Graben vor dem Schlosse einzunisten, bei welcher Unternehmung der kaiserliche FML. Graf de Fontaine den Tod fand. Der 22. Juli wurde einer der merkwürdigsten und ereigniss- reichsten Tage der langen Belagerung von Ofen. Um drei Uhr Morgens fielen 300 Türken auf der Schlossseite aus, brachten die Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. 7