Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

sächsischen Truppen, welche die vordersten Posten besetzt hatten, in Unordnung und vernagelten in der am Graben erbauten Belagerungsbatterie drei Kanonen und einen Mörser. Als aber die Reserven in den Kampf eingriffen, wurden die Feinde bald wieder vertrieben und der Kurfürst konnte die wenig beschädigten Ge­schütze herstellen lassen. Diese Herstellung gelang so vortrefflich, dass die Geschütze um 6 Uhr Morgens das Feuer neuerdings auf­nehmen konnten. Die erste Carcasse, die aus dem beschädigten Mörser geworfen wurde, schlug in das Haupt-Arsenal der Festung, entzündete die Pulvervorräthe und verursachte eine furchtbare Ex­plosion. Erst nach einer Stunde durchbrach die Sonne die Rauch- und Staubmassen und liess die geschehenen Verheerungen er­kennen. Es brannte in der Festung an zwei Stellen, eine Ecke des Schlosses war weggerissen worden, in der gegen den Strom gewendeten Mauer war eine Bresche von 100 Schritten Länge ent­standen und ein in der Nähe derselben befindliches Rundell lag in Trümmern. Später erfuhren die Belagerer, dass mehr als 15Ó0 Menschen bei dieser Katastrophe das Leben verloren hatten. Die Angreifer hatten durch dieselbe wenig Schaden gelitten, obwohl ansehnliche Mauertrümmer bis nach Pest und auf den grossen Schwabenberg geschleudert wurden, mehrere Geschütze in den Batterien umstürzten und die Donau aus ihren Ufern trat. Am 23. Juli liess der Herzog von Lothringen den Pascha zur Ueber- gabe der Festung auffordern, erhielt aber eine abschlägige Antwort. Zwei Tage später, am 25. Juli, unternahmen die Türken sogar einen neuen Ausfall gegen die beiden Flügel des nördlichen Angriffes und brachten die Brandenburger in einige Unordnung. Letztere sammelten sich aber rasch wieder, trieben die Feinde in die Festung zurück, geriethen aber in der Hitze der Verfolgung in einen Hinter­halt der Türken, durch welchen sie beträchtliche Verluste erlitten. Die Bayern hatten inzwischen in den letzten Tagen ihr Geschütz mit solchem Erfolge wirken lassen, dass das Schlossrundell einstürzte und einen grossen Theil des Grabens mit seinen Trümmern ausfüllte. Das Erscheinen einer grossen türkischen Entsatzarmee unter dem Grosswesir Suleiman drängte zu raschen Entschlüssen und der Herzog von Lothringen konnte mit dem Generalsturme nicht länger mehr zögern. In der Nacht auf den 27. Juli wurden die türkischen

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