Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

88 Der zweite Krieg Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1683 —1699. Ofen. Abtheilung und brachten mehrere Gefangene in das kaiserliche Lager zurück. Ofen, dessen theilweise Einschliessung am 18. Juni erfolgte, war, nach den Aussagen von Ueberläufern, von 10.000 Mann Kern­truppen, über welche der tapfere Abdurrahman (Avdi) Pascha das Commando führte, besetzt, und besass mehr als 200 schwere Ge­schütze. Der Herzog von Lothringen und der Kurfürst von Bayern vereinbarten nun zwei von einander unabhängige Angriffe auf Ofen, deren einen gegen die Wasserstadt (Nordseite) der Herzog von Lothringen, den andern gegen das Schloss (Südseite) der Kurfürst von Bayern leiten sollte. Die Reiterei, soweit sie vor Ofen ent­behrlich war, sandte Lothringen unter dem FML. Pálffy an den Sárviz-Fluss, um die Fouragirung zu erleichtern und die türkische Garnison von Stuhlweissenburg zu beobachten. Am 21. Juni führte Max Emanuel sein Corps bis an den Südfuss des Blocksberges, während nach dem Eintritte der Dunkelheit die Kaiserlichen in der Nähe des Calvarienberges zwei Parallelen auszuheben begannen und zwischen denselben eine Bresch-Batterie gegen die Ringmauer der Wasserstadt anlegten. Am folgenden Tage liess auch der Kur­fürst an den Abhängen des Blocks- und Spiessberges zwei Batterien errichten. Anmerkung. Bottyán, Kittmeister der Graner-Husaren, überfiel mit einer Kecognoscirungs-Abtheilung 20 verankerte Fahrzeuge, in welchen sich die Frauen und Kinder des Pascha und anderer vornehmer Türken befanden, nahm ihnen reiche Beute ab und brachte sie gefangen in das Lager. Bis zum 23. .1 uni hatte das Feuer der kaiserlichen Bresche- Batterie in der Enceinte der Wasserstadt einen Mauerbruch von 15 Schritten Länge gebildet. Am Abende des 24. Juni liefen zwei Abtheilungen der Belagerer, befehligt von dem Hochmeister des deutschen Ritter-Ordens, Prinzen Ludwig von Pfalz-Neuburg, und dem FML. Grafen de Souches, zum Sturme gegen die Bresche an und bemächtigten sich derselben und der Wasserstadt nach einem kurzen Kampfe. Ein Ausfall, den die Belagerten am 26. Juni unternahmen, wurde von den Kaiserlichen zurückgeschlagen, welche sodann ihre Laufgräben gegen die eigentliche Festung, und zwar gegen das Graner Eckrundell, das kleinere Rundeil rechts von demselben und die zwischen diesen beiden befindliche Courtine er- öffneten. Ein zweiter Ausfall der Türken am 27. Juni, der gegen

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