Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Official Langer: Serbien unter der kaiserlichen Regierung 1717-1739
158 Langer. fehlte unbedingt das Geld. Und doch wurde mit Wenigem ganz Erspriessliches geleistet; Claudius Graf Mercy1) und seine Nachfolger in der Verwaltung der neoacquistisehen Länder brauchen — bei unparteiischer Beurtheilung der ihnen zu Gebote gestandenen Mittel und der damaligen Verhältnisse — die kritische Prüfung ihrer Thätigkeit wahrlich nicht zu scheuen. Nach wenigen Jahrzehnten hatten die neuerworbenen Länder bedeutende culturelle Fortschritte gemacht, und für die, allerdings auch vorgekommenen Missgriffe und Unterlassungssünden, können die Leiter und Gouverneure jener Provinzen am wenigsten verantwortlich gemacht werden. Noch war nicht bestimmt, wann und wo sich die Diplomaten versammeln sollten, um die durch die kaiserlichen Waffen eroberten Gebiete in völkerrechtlicher Form dem Kaiser zuzusprechen, als Ungarn schon Ansprüche auf die voraussichtlich in kaiserlichen Besitz gelangenden Länder erhob. Gegen das Verlangen der Ungarn nach Reincorporirung der einst zur Stephanskrone gehörigen Länder sprachen die gewichtigsten politischen Bedenken; in Ungarn selbst war die kaiserliche Herrschaft noch keineswegs gegen jede Erschütterung gesichert, denn die unzufriedenen Parteien waren wohl besiegt, aber weder vernichtet, noch versöhnt und das Verhältniss zwischen Magyaren und Serben ein durchaus unfreundliches; die einfache Einverleibung wäre daher nur eine Förderung des inneren Zwistes und eventuell der Anlass zu neuem Ausbruch eines Bürgerkrieges gewesen. Desshalb widersetzten sich auch die kaiserlichen Staatsmänner, insbesondere Prinz Eugenius von Savoyen, dem Andringen der ungarischen Hofkanzlei, ihr die Verwaltung der Neoacquistica zu übertragen oder ihr doch einen entscheidenden Einfluss auf *) *) Graf Mercy hat sich durch seine langjährige ausserordentliche Thätigkeit (1718—1734) um die Hebung der Cultur und des Wohlstandes im Banat in diesem Lande unvergesslich gemacht. Er Hess Moräste austrocknen, Strassen erbauen, verband die Flüsse durch Canäle, und legte viele neue Pflanzorte an. Eine Menge ausländischer Colonisten zogen sich in diese Provinz. Durch sie verbesserte Mercy die Viehzucht, den Ackerbau und die Pflege des Weinstockes. Er Hess Wollen-Manufacturen und Metall-Fabriken anlegen, die Maulbeerzucht wurde verbreitet und eine Seide gewonnen, die an Güte der lombardischen gleich kam. Temesvár erstand unter ihm aus Ruinen zur blühenden, wohlgebauten Stadt und Festung. 4