Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (Neue Folge, 1888)
Hauptmann Machalicky: Der Feldzug gegen die neapolitanische Revolution 1821
Der Feldzug gegen die neapolitanische Ke volution 1821. 53 Eine Deckung der Verbindungen südlich des Apenninkammes behielt sich das Armee-Commando vor. Als Operationsbasis diente der österreichischen Armee natur- gemäss das hiezu im vollsten Masse geeignete lombardisch-vene- tianische Königreich nördlich des Po. Ausser der fortificatorischen Sicherung dieses Raumes fand als weitere Herrichtung der Basis die Ueberbrückung des Po statt; es führte damals von Piacenza abwärts sonst keine Brücke über den Strom. Gemäss dem ursprünglichen Anträge des G. d. C. Freiherrn von Frimont1) sollte für die Truppen aus der Lombardié, sowie für einen Theil jener aus der Provinz Verona eine permanente Schiffbrücke aus in der Lombardié requirirten Po-Schiffen bei S. Benedetto südlich Mantua erbaut werden, während die übrigen Truppen auf einer bei Pontelagoscuro nördlich Ferrara vom Lande Venetien zu errichtenden Schiffbrücke überzugehen hatten. Das der Realisirung nahe Project* 2) dieser zweiten Brücke wurde indessen später fallen gelassen und nur der Uebergang bei S. Benedetto fertiggestellt.3) Auch die Etsch wurde mittelst ehemals französischer Pontons, die in Verona lagen, bei Boara Padovana überbrückt. Ausser der Hauptbasis in Ober-Italien gedachte das Armee- Commando unweit der feindlichen Grenze eine Zwischenbasis zu wählen, einen Raum, in welchem die Armee den strategischen Aufmarsch vollziehen und aus welchem unmittelbar zum Angriffe übergangen werden konnte. Für diesen Zweck wurde die an der alten Consularstrasse Rom-Ancona gelegene Landschaft um Foligno, Spoleto, Térni und Civita Castellana in Aussicht genommen.4) Der erste Aufmarsch der österreichischen Armee sollte ') K. A. 1820, XI. 32. 2) Es waren bereits 25.000 Francs zum Brückenbau bewilligt und durch Privatunternehmer 40 Barken für denselben sichergestellt. 3) Die Brücke bestand aus 12 Gliedern und wurde durch den Hauptmann länger des Pontonnier-Bataillons erbaut. Das zum Brückenschläge nütliige Bauholz wurde auf der Etsch bis 25. Januar nach Verona geschwemmt und von da an mittelst Artillerie-Bespannungen an die Brückenstelle geschafft; mittlerweile begann die Ausrüstung der 52 Schiffe und am 31. Januar das Einfuhren der Brückenglieder. Der Brückenbau war am 2. Februar Mittags fertig und kostete 21.000 fl. 4) H. K. K. 1821, II. ad 136.