Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853

Bosnien und Montenegro 1853. 93 Der Pascha von Scutari, mit dem Montenegro von jeher die häutigsten und hartnäckigsten Kämpfe zu bestehen hatte, übernahm bald darauf selbst das Commando, denn er betrachtete Kara dagli« nicht anders als eine Provinz seines Paschaliks, die sich nur seiner Autorität durch fortwährende Rebellion entziehe. Häutige Veranlassung zu beiderseitigen Reibungen gab auch der See von Scutari, dessen ungetheilten Besitz die Türkei nie auf­geben wollte, dessen theilweisen Mitbesitz aber die Montenegriner schon wegen des ihnen unumgänglich nothwendigen Fischfanges auf keinen Fall entbehren können. Zudem aber ist die grosse Fruchtbarkeit der um den See gelegenen Landstriche für die dürf­tigen Felsenbewohner der Crnagora eine so grosse, beständig vor Augen liegende Lockung! Das Bergland ist ja so arm, dass die Bewohner nur zu oft wirklich auf die Ausplünderung des türki­schen Nachbars sich verlegen mussten, um überhaupt leben zu können. Hätte das Land am Auslaufe seiner Alpen ein Acker- und Wiesenland gehabt, hätte es seine Bedürfnisse aus Albanien beziehen und dort Fuss fassen können, so würde mancher Raub­und Kriegszug unterblieben sein, Charakter wie Art und Denk­weise des montenegrinischen Volkes eine andere Richtung erhalten haben. Die immerwährenden Fehden fanden endlich eine weitere Nahrung in der Verschiedenheit der Religion und Nationalität der beiden Nachbarvölker, wovon das eine aus verschiedenen Arnauten- (Skipetaren, Albanesen) Stämmen besteht, und theilweise römisch- katholisch, der Mehrzahl nach aber mohammedanisch ist; das andere, die Montenegriner, Serben und orientalisch - orthodoxen Glaubens sind. Beide sind gleich kriegerisch, tapfer und beute­gierig, und so bedurfte es selten viel, um die Flammen des Krieges und Kampfes neu zu entfachen; jetzt schienen die inneren Kämpfe in Montenegro die günstige Gelegenheit und die provocirende Weg­nahme von Zabljak das passende Motiv für die Türkei zu bieten, den Kampf mit dem kleinen, streitbaren Volke abermals und gerade jetzt zu versuchen. Am 25. December liess jedoch Fürst Danilo auf Anrathen Russlands Zabljak räumen, die Werke aber so viel als möglich zerstören.

Next

/
Thumbnails
Contents