Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)
Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853
94 <i erba. Die Türken griffen die abziehenden Montenegriner an, bei welcher Gelegenheit Masan Petrovic, ein Vetter des verstorbenen Vladika, durch eine Kanonenkugel schwer verwundet wurde.') Durch die Räumung der Feste und durch die Rückkehr der Piperi zum früheren Gehorsam hätte nun dieser Krieg zwischen den Montenegrinern und den Türken als beendigt und der frühere Zustand als hergestellt angesehen werden können. Denn die zeitweilige Occupation einer Ortschaft durch das Bergvolk war gerade kein so seltenes oder ausserordentliches Ereigniss und die Pforte hatte sonst immer mit Geduld den günstigen Augenblick abgewartet, in dem sie sich durch List und Gewalt der Eindringlinge wieder entledigen konnte. Diesmal aber hielt sie fest an dem erwünschten Vorwände, die lang gehegte Absicht auszuführen, Montenegro ganz zu unterjochen und dadurch die schwer bewahrte, durch Jahrhunderte bestandene Freiheit des kleinen Gebirgslandes zu vernichten. Die Sache Montenegros stand Anfangs nicht günstig; uneinig und zum Theil türkischen Versprechungen zugänglich, schwankte ein bedeutender Theil der Crnagora zwischen Widerstand und Unterwerfung, das Volk hegte wenig Vertrauen zu dem Fürsten und fühlte sich durch verschiedene Verfügungen und die gewaltsame Eintreibung neuer Steuern bedrückt; ausserdem fehlte es wirklich an entschlossener Leitung. Ebenso waren auch keine Anzeichen wahrzunehmen, die auf Unterstützung durch die stammverwandten Serben folgern Hessen, obwohl der Glaube verbreitet war, dass nicht allein Serbien zu den Waffen greifen werde, sondern dass auch von Seite Oesterreichs und Russlands Hilfe zu erwarten sei. Allerdings waren die Sympathien der Serben für ihre Stammgenossen in allen Schichten der Bevölkerung ausserordentlich lebhaft und die Begeisterung für Montenegros Sache führte einige Serben in das Land. Allein die geringe Zahl derselben, sowie die Furcht der serbischen Regierung vor einer Schilderhebung im Innern des Landes zu Gunsten der Obrenovic sprachen nur zu deutlich dafür, dass die fürstlich serbische Regierung nicht daran denke, Montenegro mit Geld, noch weniger mit Truppen zu unterstützen. Der Fürst Alexander Karageorgievic sowohl, als auch die >) K. A. 1853, Fase. 1, Nr. 3, 8.